A Travellerspoint blog

En Québec et New Brunswick (Parlez vous francais?)

Toronto - Curry Hill, Ontario - Montreal, Québec - Parque Provincial de la republique - Edmunston, all in New Brunswick, CANADA

sunny 26 °C
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Jaja, “Ici débute la grande aventure!”, schrieb ein sich als besonders kreativ haltender Schreiberling irgendwann mal in einem kleinen Marketing-Buero des Alamo-Hauptsitzes auf die erste Seite der offiziellen Mietwagen-Broschuere. Ob er dabei wohl an Leute wie uns gedacht hat, die nun am Pannenstreifen des Transcanadian Highway (in der Provinz New Brunswick als Nummer 2 ausgeschildert) festsassen, in der prallen Sonne schmorrten und verzweifelt versuchten, den 24-Stunden “Emergency Road Service” von Alamo zu erreichen? Wohl eher nicht.

Dabei hatte der Start in den wilden Osten Kanadas aussergewoehnlich gut begonnen. Die nette Dame am Alamo-Schalter des Pearson International Airports in Toronto hatte fuer uns in Ermangelung eines Wagens der bestellten Klasse “Economy” einfach ein Upgrade auf die naechst hoehere Stufe “Intermediate” durchgefuehrt, ein pechschwarzer Nissan Sentra (Calle, leider glaenzend und nicht matt!), schlappe 36.636 Kilometer unter der Haube (aber immerhin 36.000 Kilometer mehr als unser Chevy aus San Francisco). Dass Margit die Farbe gar nicht gefiel, war fuer uns kein schlechtes Omen. Aber wir haetten es besser wissen muessen.

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Kurz ausserhalb Torontos haben wir uns noch fuer die naechsten knapp vier Wochen mit einem ordentlichen Kocher eingedeckt, in Kofferform, einen wie wir ihn bereits in Australien hatten. Den kleinen Campingkocher, der uns gut durch Suedamerika und entlang der US-Westkueste gebracht hatte, war uns lieb aber fuer die letzte Etappe zu klein. Eine grosse Pfanne kam auch noch dazu, es sollte endlich wieder etwas G’scheites auf den Tisch! Wir haben den ganzen Tag zum Fahren genutzt. Bis an die Grenze zur Provinz Québec haben wir es auch geschafft und einen privaten aber sympathischen, familienbetriebenen Campground genommen. Es herrschte schoenes Wetter, die Nacht war klar und sehr frisch. Morgens hatte sich Tau auf unserem Zelt niedergelassen. Wieder stand ein wunderschoener, sonniger Tag an.

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Allerdings begaben wir uns in “Feindesland”, in die Provinz Québec, da wo man diese eigenartige Sprache spricht - Franzoesisch. Und unser beider Affinitaet zu dieser Sprache lag bei Null, am Gefrierpunkt quasi. Also Augen zu und durch. Einen Platz zum Uebernachten haben wir auf einem sehr kommerziellen Campingplatz nahe Montréal gefunden, ein Mittel zum Zweck, mehr nicht.

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Nach Montréal wollten wir jedoch schon, und zwar aus zwei Gruenden. Erstens hatten wir ein Treffen mit Sandra und Christoph ausgemacht, jenes Schweizer Paerchen, mit denen wir Ende Jaenner in einem Pub in Adelaide das Finale der Australien Open verfolgt hatten. Sie waren wie wir immer noch auf ihrer Weltreise, hatten dazwischen ganz andere Destinationen bereist, waren jedoch nun ebenfalls an der kanadischen Ostkueste unterwegs. Und zweitens wollten wir uns Montréal ansehen, besonders die Altstadt sollte sehr schoen sein. Ich sag’s gleich: zu letzterem sind wir nicht mehr gekommen, weil wir uns bei ersterem so gut und vor allem sehr lange unterhalten hatten. Fotos von Montréal gibt es daher keine, aber vom Treffen haben wir eines gemacht. Sandra und Christoph, vielen Dank, es war uns eine grosse Freude. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in New York!

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Die Angst vor der franzoesischen Sprache war uebrigens unbegruendet (zumindest in Montréal) es wachsen hier alle zweisprachig auf, man spricht also auch sehr gut Englisch. Am naechsten Morgen ging es auch schon weiter, wieder sind wir den ganzen Tag gefahren. Wir wollten so schnell wie moeglich New Brunswick erreichen, eine der drei Atlantik-Provinzen, die auf unserem Plan fuer eine genauere Erkundung standen. Auf dem Weg dahin, bereits im Osten Québecs haben die Landschaft und die Haeuser den so typischen Stil fuer diese Gegend angenommen.

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Relativ spaet aber noch rechtzeitig sind wir in Edmunston, der erste Ort in New Brunswick gleich nach der Provinz-Grenze, angekommen. Die Uhren mussten der “Atlantic Time Zone” entsprechend um eine Stunde vorgestellt werden, wir kamen euch also wieder ein Stueckerl naeher, fuenf Stunden waren wir euch ab diesem Zeitpunkt nur noch hinten nach. Auf dem Campground des “Parque Provincial de la republique” (also einer der schoenen, guenstigen und grosszuegig angelegten oeffentlichen Parks von der Provinz verwaltet) haben wir einen Platz zum Uebernachten gesucht. Leider war langes Wochenende (Es war Samstag und der kommende Montag war ein Feiertag - New Brunswick Day!), daher viel los und so konnten wir “nur” einen Platz in der eigentlich fuer Radfahrer vorgesehenen Zeltzone ergattern. Aber das erwies sich als perfekt: Wunderschoen, sehr ruhig und perfekt fuer eine Nacht.

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Selbst wenn wir uns wiederholen: Auch das Wetter spielte immer noch mit, es war klar und sonnig. Dies bedeutete warme Tage und angenehm kuehle Naechte. Wir waren gluecklich und zufrieden, es lief alles wie am Schnuerchen. Am naechsten (Sonntag)morgen haben wir unser Zelt abgebaut und sind fuer einige Besorgungen ins Zentrum des kleinen Ortes Edmunston gefahren. Am fruehen Nachmittag schliesslich fanden wir uns auf dem Highway Nummer 2 wieder. Wir wollten es noch so weit wie moeglich in den Sueden New Brunswicks schaffen, da warteten landschaftlich ganz besonders reizvolle Perlen.

Und ploetzlich kam alles ganz anders. Seltsame Geraeusche kamen aus dem Motorraum, die auf keinen Fall von da kommen sollten. Margit hat als verantwortliche Steuerfrau unseren Boliden umgehendst auf den Pannenstreifen gelenkt. Nach dem Oeffnen der Motorhaube war bald klar: Der Keilriemen war soeben dabei, sich in saemtlich Einzelteile zu zerfransen.

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Margit dachte sofort an ihren persoenlichen Rettungsengel: “A Autopanne und da Boecki ned do!” Also mussten wir uns anders helfen und haben gleich mal die Telefonnummer des “24 Hour Emergency Road Service” der Mietwagenfirma Alamo ausgetestet. Nachdem ich die zahlreichen Fragen gewissenhaft beantwortet hatte (“Do you have a technical problem? Press 4” - Jaaaa, hab ich, sonst taet ich euch nicht anrufen!), hing ich auch schon in der Warteschleife (“Thank you for continuing to hold. Right now all our associates are busy. An available associate will be with you shortly.” - Bitte gern geschehen, aber wie lange ist “shortly” genau?).

In der Zwischenzeit hatte sich ein fetter Pick-up Truck hinter uns auf den Pannenstreifen geparkt. Ein Ehepaar mittleren Alters hat uns ihre Hilfe angeboten. Sie waren Einheimische, soeben am Weg nach Hause und hatten fuer heute nichts mehr vor. Sie haben sich als unheimlich freundlich und hilfsbereit herausgestellt. Als unser Mobiltelefon auch noch das Guthaben der amerikanischen SIM-Karte aufgebraucht hatte (trotz kanadischer Toll Free Number - wos was i) und ich aus der Warteschleife fiel, haben uns Bernault und seine Frau ihres geborgt. Sie haben geduldig auf uns gewartet und uns sogar noch auf den nahen Flughafen von Edmunston begleitet (noch konnten wir ja fahren), wo laut der Hotline auch ein Alamo-Schalter sein soll, an dem wir ein Ersatzauto zur Verfuegung gestellt bekommen wuerden. Der Flughafen in Edmunston entpuppte sich jedoch als winziger Lokalflughafen fuer die hiesigen Sportflugzeugpiloten. Nicht einmal die fuer den Flughafen diensthabende Aufsichtsperson war anwesend, geschweige denn ein Alamo-Buero. Nach einem weiteren Anruf bei der Hotline (“Thank you for continuing to hold…”) hat sich alles aufgeklaert. Der gute Mann am Telefon hatte beim ersten Anruf nicht aufmerksam zugehoert und aus “Edmunston, New Brunswick” einfach “Edmonton, Alberta” gemacht.

Damit euch nicht langweilig wird, kuerze ich etwas ab. Nach einer nochmals sehr langen Zeit in der Warteschleife habe ich es schliesslich geschafft, genau zu erklaeren wo wir wirklich waren, was aber nichts gebracht hat. Alle Alamo-Bueros in New Brunswick hatten wegen des montaeglichen Feiertags bis Dienstag Frueh geschlossen. Keine Chance also auf ein Ersatzauto vor Dienstag. Ich solle aber trotzdem am Montag Morgen anrufen, vielleicht geht ja doch was. Also haben wir uns von Bernault und seiner Frau verabschiedet (unsere ewige Dankbarkeit sei ihnen versichert!) und wieder am selben Campground eingecheckt. Und da zwar immer noch langes Wochenende war, wir aber frueher als am Vortag da waren, kamen wir auf einem anderen Stellplatz unter. Aber auch dieser hat sich als sehr angenehm herausgestellt.

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Auf dem Weg dahin hat sich endgueltig ein bedeutend grosser Teil des Keilriemens verabschiedet und somit konnte auch die Batterie nicht mehr geladen werden. Energie-Stillstand quasi.

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Am naechsten Tag (Montag, der Feiertag) habe ich mir, wie von der Hotline am Tag davor empfohlen, die Warteschleife gegeben. Nostaglisch übrigens von einer öffentlichen Telefonzelle, die glücklicherweise die Toll Free Number auch als solche interpretierte. Danach die (eigentlich erwartete) Ernuechterung. Natuerlich war kein Autoersatz moeglich, in New Brunswick alle Bueros zu und die anderen Provinzen zu weit weg um ein Auto innerhalb von zwoelf Stunden zu ueberstellen. Also haben wir nochmals eine Nacht verlaengert (bitteschoen zugegeben, es gibt schlimmere Plaetze, um wo festzusitzen).

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Und ausserdem und ueberhaupt, darf man nicht alles so ernst nehmen (der letzte Haarschnitt war am 5. Dezember 2009):

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Aber der naechste Morgen kam rasch, es war bewoelkt und leichter Nieselregen hatte eingesetzt. Das Zelt konnten wir noch rechtzeitig durchaus trocken im Kofferraum verstauen. Mein siebter und letzter Anruf innerhalb von 48 Stunden bei der Alamo-Hotline war endlich von Erfolg gekroent. In zwei Stunden wuerde unser neuer Flitzer geliefert. Und tatsaelich, keine 120 Minuten spaeter war er da, unser Neuer. Ein KIA Spectra, diesmal in rot (Sorry Calle, die Farbe konnte ich mir nicht aussuchen! Aber Margit war wieder gluecklich!), wurde geliefert, unsere Sachen umgepackt und das marode Wagerl in schwarz wurde abgeschleppt.

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Das Beste daran war, dass wir nun statt des Ontario-Nummerntaferls ein verwegenes aus Nova Scotia hatten, genau da wo wir auch hin wollten und wo der Osten Kanadas alle Stueckerln spielt und dennoch auch im Sommer nicht ueberlaufen ist.

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Wir haben uns vom schoenen Provinzpark mit dem angeschlossenen botanischen Garten verabschiedet und uns auf den Weg Richtung Sueden aufgemacht.

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New Brunswick ist neben der landschaftlichen Schoenheit noch in zweierlei Hinsicht faszinierend. Hier gibt es nach Vancouver Island die wohl freundlichsten Leute auf diesem Planeten. Kann man die australische gute Laune oder die peruanische Frohelichkeit noch auf die viele Sonne schieben, so sind uns die kanadischen Frohnaturen ein Raetsel. Und in New Brunswick wachsen wegen des Einflusses aus der benachbarten Provinz Québec alle zweisprachig auf. Jeder spricht fliessend englisch und franzoesisch. Das gibt den Leuten neben ihrer Froehlichkeit auch einen ganz besonders weltoffenen Touch und macht sie in ihrer Gesamtheit zu einem der sympathischsten Bewohnern, die wir bisher auf unseren Reisen treffen durften. So blieb auch uns nichts anderes uebrig, unsere bornierte Abneigung gegenueber der franzoesischen Sprache einer demuetigen und gruendlichen Verifizierung zu unterziehen.

Es ging also weiter, mit zwei Tagen Verspaetung und daher adaptiertem Reise-Zeitplan! Der Wagen lief wie am Schnuerchen. Margit entdeckte Cruise Control…

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… die Elchwarnungen auf dem Highway wurden haeufiger…

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…scheinbar gefaehrliche Geisterfahrer praegten die Fahrt Richtung Sueden…

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…und es wurde alles noch gruener und weiter:

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Ja, wir waren bereit fuer unser Abenteuer Nova Scotia, genauer gesagt fuer die Cape Breton Highlands. Ein Stueck Land, wofuer es sich lohnt, auch Dauerregen in Kauf zu nehmen. Sogar wenn die Gefahr bestand, unser Zelt wuerde unter dem atlantischen Gewittertief zusammenbrechen. Und wir koennen schon jetzt verraten: Unsere Geduld und unsere Ausdauer haben sich gelohnt. Was sind schon nasse Fuesse wenn der Lohn darin besteht, dein Zelt direkt auf einer Klippe ueber dem Meer aufstellen zu koennen, dir die salzige Meeresluft um die Ohren wehen zu lassen und dabei deine einzige Sorge beim Sonnenaufgang mit Blick auf den Atlantischen Ozean ist, ob es ueberhaupt noch schoener geht. Bleibt dran, es lohnt sich!

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Posted by NoUturners 13:19 Archived in Canada

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Comments

À bientôt en septembre

by erwique

na endlich mal ein regenabenteuer...:0)... damit haben wir ja erfahrung in diesem sommer(obwohl im moment wollma uns nicht beklagen). also wenn ihr tipps brauchts...! bin gespannt!

DANKE für die geburtstagspost!!!Urtoll! Luca

by sorellina

@ Erwique: Qui, qui...
@ Sorellina: Regenabenteuer gibts in diesem Bericht aber noch keinen.
@ Luca: Bitte, gern geschehen. Mehr davon im September...

by NoUturners

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