A Travellerspoint blog

Nova Scotia (feat. Cape Breton Island)

Glenholme - Halifax - Sheet Harbour - Baddeck - Meat Cove - Cape Breton Highlands National Park, all in Nova Scotia, CANADA

semi-overcast 24 °C
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War die Fahrt durch New Brunswick schon eine wolkendominierte welchige, so setzte just bei Erreichen der Grenze zur Provinz Nova Scotia Regen ein. Aber was erwartet man auch von einer kanadischen Provinz, die ihren Namen von einem der verregnetsten Laender Europas uebernommen hat? Aber das Wesentliche war, dass sie auch wegen der Aehnlichkeit mit der landschaftlichen Schoenheit so benannt wurde.

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Gegen Abend haben wir auf einem privaten Campground unser Lager aufgeschlagen. Es hatte waehrend der Fahrt immer wieder genieselt, just zum Abendessen jedoch hat eine Regenpause eingesetzt. Der Wetterbericht fuer die kommende Nacht verhies allerdings nichts Gutes, es war Dauerregen angesagt. Dennoch konnten wir bis kurz vor Mitternacht und dem Einsetzen des angekuendigten Niederschlags draussen sitzen (es war horrend schwuel) und unserem Nachbarn beim Musizieren am Lagerfeuer zuhoeren, womit er sein auserwaehltes Rendez-Vous zu verfuehren versuchte.

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Danach oeffnete der Himmel erbarmungslos fur die folgenden 15 Stunden durchgehend seine Schleusen. Vorweg: Das Zelt hielt dem Dauerregen stand. Unangenehm war der Gatsch, in dem sich unser Zelt am Morgen befand, sowie das Zusammenpacken des verdreckten Zelts bei zwischenzeitlich zumindest leichterem Regen.

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Der singende Don Juan neben uns versuchte morgendlichen Small Talk unter geplagten Campern: "And did you also get wet last night?" "No, we did'nt. We have a very good tent!", war die stolze Antwort unsererseits, die ihn komplett am falschen Fuss erwischte. Verduzt rauschte er schliesslich mit seiner Schnitte im Schlepptau in seinem fetten Pick-up von dannen. Ich selbst bin im weniger spektakulaeren KIA, allerdings mit meiner trockenen und vor allem spektakulaereren Schnitte Margit nach Halifax aufgebrochen - die einzige grosse Stadt in der Provinz Nova Scotia, am Suedufer der suedlichen Insel gelegen. Am Weg dahin ergoss sich das beinahe komplette Atlantiktief ueber dem Highway 104 Richtung Sueden.

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Bereits am fruehen Nachmittag sind wir in Halifax angekommen. Wir haben beschlossen, fuer die folgende Nacht ein Zimmer zu nehmen. Zum einen, um das Zelt zu trocknen und ein wenig zu putzen und zum anderen, um uns eine weitere Nacht starken Dauerregens zu ersparen. Das Zimmer lag in Zentrumsnaehe und sah wie ein typisches britisches Bed and Breakfast aus.

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Ueberhaupt erinnerte die ganze Stadt in ihrer gesamten Atmosphaere sehr stark an eine englische oder schottische Hafenstadt. An der Oberflaeche schien sie unspektakulaer und ein wenig heruntergekommen, wirkte aber schliesslich trotzdem oder gerade deshalb aeusserst charmant. Wohl vor allem auch deshalb, weil sich ein Grossteil des Soziallebens, dem Wetter entsprechend, in Pubs und Bars abspielt (in rauchfreien wohlgemerkt!) und das ganze Jahr ueber zahlreiche Kulturfestivals stattfinden. Fuer alle Interessierten: Ein paar Eindruecke eines verregneten Tages in Halifax Downtown.

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Just in dieser Nacht hatte es zu regnen aufgehoert. Wir haben den Luxus eines privaten Zimmers dennoch sehr genossen (endlich wieder eine Dusche!). Am naechsten Tag sind wir an der suedlichen Kuestenstrasse entlang gefahren, wo ich das allererstemal in meinem Leben von einem Polizisten nach meinem Fuehrerschein gefragt wurde (seit ich im zarten Alter von 18 Jahren das Hernalser Bezirkskommissariat mit meinem rosa Fetzen verlassen habe). Aber eigentlich eh wurscht. Unser Ziel fuer den Tag lautete bereits "Cape Breton Island". Am Weg dahin war der Himmel immer noch grau in grau, aber es regnete nicht mehr. Und die Landschaft wurde schoener und schoener, das hiesige Wildlife frecher und frecher.

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Nach ein paar Stunden Fahrt haben wir Cape Breton Island erreicht und standen am Beginn des Cabot Trails, jene traumhaft schoene Kuestenrundstrecke im Norden der Insel. Bevor es am Folgetag auf eben diesem Trail losging, haben wir wieder auf einem privaten Campground unser Quartier aufgeschlagen (ganz nett, aber nichts Besonderes). Der Wetterbericht fuer die Nacht verhies erneut nichts Gutes, dennoch konnten wir auch diesmal das Abendessen noch im Trockenen zu uns nehmen. Es war immer noch unheimlich schwuel, die offiziellen Wettermeldungen sprachen von 95% Luftfeuchtigkeit. Es hatte zwar “nur” 25 Grad offizielle Temperatur, gefuehlt kam man aber auf gute 35 Grad.

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Irgendwann gegen 2 Uhr morgens setzten fuer vier Stunden schwere Regenfaelle ein. Allerdings hielten das Zelt und auch wir erneut verwegen stand. An dieser Stelle nochmals ein riesiges Dankeschoen an Wolfshaut Erik, der uns dieses edle Stueck Kunststoff empfohlen hatte - dies war nun die finale Feuertaufe! Zum Fruehstueck kam schoen langsam aber sicher die Sonne heraus. Nur der Zeltplatz stand “Gatsch unter” und auch das Zelt musste aussen getrocknet und gereinigt werden.

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Das Zelt halbwegs trocken eingepackt, haben wir uns, durch ein kraeftiges Fruehstueck gestaerkt, endlich den Traum erfuellt und den Cabot Trail erobert. Ein Stueck Erde, dass schoener fast nicht sein kann. Eine Mischung aus Irland, Schottland und eben Ostkanada. Und von allen Dreien nur das beste.

Das beginnt schon bei den charmanten Haeusern…

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…in perfekte Landschaft eingebettet:

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Und schliesslich haben wir den Norden der Insel erreicht. Die Wolkendecke ist aufgerissen, die Landschaft und die Farbkontraste wurden noch intesiver als sie ohnehin schon waren. Der absolute Gipfel war jedoch der Campground "Meat Cove". Auf einer Wiese direkt an einer Klippe ueber dem atlantischen Ozean gelegen, nur die Erdkruemmung hat von hier aus einen direkten Blick nach Europa verhindert. Wir haben an diesem wunderbaren Ort zwei Naechte verbracht und die wohl mit Abstand beeindruckendste Unterkunft unserer Reise erlebt. Falls ihr, liebe treue Leserschaft, einmal in den Osten Kanadas kommen moechtet, fuehrt an diesem Stueckchen Erde definitiv kein Weg vorbei, ohne sich danach aergern zu muessen, etwas so einmalig Traumhaftes versaeumt zu haben.

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Und als waere es Belohnung fuer die in den Naechten zuvor erlittenen, unangenehmen Regenfaelle gewesen, beglueckte uns am ersten Abend ein wolkenfreier Nachthimmel mit einem gigantischen Blick auf den wunderschoenen Sternenhimmel. Und bis Mitternacht haben wir, vor unserem Zelt liegend, gemuetlich in unsere Schlafsaecke gewickelt, nicht weniger als 10 (zehn!!!) Sternschnuppen gezaehlt! Romantischer Kitsch? Ja, vielleicht, aber das ist dir komplett wurscht, wenn du das hier “live“ und “in echt“, quasi am Ende des amerikanischen Kontinents, erleben darfst.

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Haben wir am Ankunfts(nachmit)tag den Platz nichtstuend einfach nur genossen, so sind wir am zweiten Tag auf eine Wanderung aufgebrochen. Zunaechst durch einen wunderschoenen, dichten Wald, jedoch bald gefolgt von einem Pfad direkt der Kueste entlang. Uns angeschlossen haben sich dabei zwei Kanadier aus Toronto, Bob und sein Sohn Kyle, die uns waehrend der gesamten, sehr anstrengenden fuenf Stunden eine sehr sympathische und lustige Begleitung waren. Wir haben uns die ganze Zeit ueber aussergewoehnlich gut verstanden, auch als wir uns alle zwischenzeitlich komplett verlaufen hatten und nicht so ganz wussten, wo es weitergehen wuerde. Und allen Pferdefans unter euch sei verraten: Wir sind nur wenige Meter an einer wild lebenden Pferdefamilie vorbeigegangen. Auch fuer uns ein wunderschoener Anblick und ein ebensolches Erlebnis.

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Bei dieser Wanderung ging leider das Display unserer Digitalkamera kaputt (Ich war’s, ich geb’s zu und uebernehme die volle Verantwortung!). Und nachdem unsere Kamera keinen altmodischen (aber in Augenblicken wie diesen so wichtigen) Sucher hat, sind alle ab nun folgenden Bilder in diesem Bericht "blind" geschossen. Gar nicht so schlecht, wie wir finden! Bitte um Achtung dieser, unserer Fotografiekuenste!

Zurueck am Platz haben wir wieder einige der sehr sympathischen Charaktere am Campground getroffen. Hervorheben moechten wir das Ehepaar Barry und Pat Flannigan aus Australien. Beide 72 Jahre alt und seit 44 Jahren verheiratet, fit wie zwei Jugendliche und mit derartig viel Humor und Charme ausgestattet, dass jedes Gespraech mit den beiden fuer uns reines Vergnuegen war. Sogar ueber suedamerikanische Abenteuer konnten wir fachsimpeln, schliesslich haben die beiden diesen Kontinent vor zwoelf Jahren, also im Alter von 60 Jahren (!!!), sechs Monate lang als Backpacker (!!!) bereist!!!

Aber auch sonst tummelten sich zahlreiche verschiedene Persoenlichkeiten auf dem Campground. Dazu eine Anekdote: Ein junges Paerchen zauberte fuer eine einzige Uebernachtung im Zelt eine aufblasbare Matraze aus dem Auto, die doppelt so dick und breiter als jene daheim in unserem Schlafzimmer war ("That's the only way for me to go camping!", so die junge Dame). Ein gut gelaunter, nebenan sitzender Camping-Veteran liess daraufhin nicht lange mit witzigen Kommentaren auf sich warten: “You better be quiet tonight on a mattress like this!” Danach befragte er durchgehend die anderen, sehr internationlen Gaeste mit lautem Organ und sichtlich amuesiert: “Hey, did you ever see something like this in Australia? In the U.S?” Die Antwort war bei allen ein lachendes “No!”. Abschliessend wandte er sich noch an eine Gruppe campender Motorradfahrer (die ja aufgrund mangelnden Stauraums auf jeden Luxus verzichten muessen): “Your should try to put something like this in your bags!”. Dieser definitiv nicht auf den Mund gefallene Kanadier unterhielt in nur wenigen Minuten den halben Platz und sorgte somit fuer erfrischendes, abendliches Gelaechter.

Sonst herrschte aber abends viel Ruhe. Der sensationellen Lage des Campingplatzes entsprechend kehrte ab 21 Uhr absolute Stille ein. Und dies ohne offizielle Anordnung oder vorgeschriebene Verhaltensregeln. Hier wussten einfach alle den magischen Ort und den seltenen Augenblick von Ruhe und Frieden zu schaetzen.

Margit hat sich uebrigens noch am selben Tag der Wanderung auf einen weiteren Aussichtspunkt mit fantastischem Blick auf den Ozean begeben. Urspruenglich deshalb, um Wale zu beobachten. Etwas, dass gerade hier durchaus wahrscheinlich ist. Ihre Muehe wurde zwar leider nicht belohnt, jedoch kam sie mit weiteren senationellen Aufnahmen auf die Bucht, den Ozean und den bevorstehenden Sonnenuntergang zurueck.

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Noch schwer beeindruckt von diesen gewaltigen Eindruecken, weit draussen im kanadischen Osten, machten wir uns am naechsten Tag wieder auf Richtung Sueden, konkret zur Pleasant Bay, immer noch am Kuestenrundkurs “Cabot Trail” liegend. Da haben wir uns auf dem kleinen aber feinen und vor allem direkt am Strand liegenden Campingplatz “Corney Brook” des Nationalparks “Cape Breton Highlands” unser Zelt aufgestellt. Ich nehme es vorweg: Trotz Warnungen haben wir auch hier keine Baeren gesichtet.

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Wegen des starken Windes ueber dem Meer fiel die geplante Wale Watching Tour leider ins Wasser. Vor allem zu Margits Leidwesen, die sich schon sehr auf eine Begegnung mit den edlen Meerresbewohnern gefreut hatte. Auch einen der auf dieser Insel so zahlreich vertretenen, maechtigen Elche haben wir leider nicht gesichtet. Aber immerhin: Einen der wunderschoenen und ebenfalls sehr edlen “Bald Eagles (Weisskopf-Seeadler) haben wir noch vor der Abreise am letzten Campingplatz gesehen!

Also haben wir stattdessen am Nachmittag den sehr populaeren “Skyline Trail” im Nationalpark gemacht. Dieser entpuppte sich jedoch als wenig spektakulaer, allerdings bedeutete dies hier immer noch fantastische Ausblicke:

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Wirklich beeindruckend wurde es nochmals am Abend, als wir direkt am Strand des Campgrounds die tolle Abendstimmung inklusive einem sensationellen Sonnenuntergang erleben durften.

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Und als wir nach einer angenehmen Nachtruhe am naechsten Morgen zeitig aus unseren Schlafsaecken schluepften, hatten wir einen sehr langen Weg vor uns. Immer noch benebelt von der atemberaubenden Schoenheit der letzten Tage sind wir nach Prince Edward Island aufgebrochen. Eigentlich haetten wir etwas Zeit gebraucht, um all die Eindrucke zu verarbeiten, aber diese Insel, etwas noerdlich von Nova Scotia gelegen, gab uns keine Chance dazu. Landschaftlich ganz anders und dennoch blieb uns auch hier wieder der Atem weg. Fuer all jene unter euch, die auf den ostkanadischen Geschmack gekommen sind, koennen sich schon auf den naechsten Bericht freuen. Aber auch alle anderen werden wir nicht enttaeuschen. Schaut einfach wieder rein. Wir freuen uns auf euch!

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Posted by NoUturners 10:31 Archived in Canada

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Comments

Hallo Christian,

komme gerade aus dem sonnigen Kroatien und habe daher einige Berichte versäumt. Der Urlaub hat zwar ein bisschen meine Fernweh gelindert, bin aber nach wie vor ein begeisterter Leser Eurer Reiseberichte.

LG Ernst

by Ernst Leitgeb

@ Ernst: Freut mich, dass du uns weiterhin treu bleibst. Nimm den kroatischen Urlaubsschwung auf den Tenniscourt mit! Bis bald!

by NoUturners

ohhh ich will auch! bitte die liste erweitern. spätestens mit 60 gehts dann wohl bei uns auch wieder los... nur vielleicht mit dem campervan und nicht als backpacker!!
zumindest ein kleines regenabenteuer :0)
bis bald!! BACI

by sorellina

@ Sorellina: Gut, habe ich in die Liste mitaufgenommen. Und keine Sorge, wir sind zwar mit Backpacks ausgestattet, aber dennoch durchaus "bieder" mit einem stinknormalen KIA unterwegs... Baci

by NoUturners

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