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Niagara Falls (Byebye merry Canada!)

Niagara Falls - Toronto, all in Ontario, CANADA

rain 27 °C
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Da waeren wir also wieder auf mittlerweise sehr lieb gewonnenem kanadischen Boden. Der Grenzuebertritt erwies sich im Vergleich zu jenen in die USA erlebten zum wiederholten Male als aeusserst angenehm. Gleich nach der Grenze befindet sich der Ort "Niagara Falls". Wir haben auf dem naehesten Campingplatz, nur wenige Autominuten entfernt, eingecheckt. Mit dem sensationellen Namen - ob ihr es glaubt oder nicht: Yogi Bear Camping! Wir waren auf diesem riesigen Areal wohl die einzigen Leute ohne Kinder. Vorteil: Naechtens war es muxmaeuschenstill!

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Bevor uns jedoch die soeben erwaehnte Nachtruhe vergoennt war, sind wir noch zur so hoch gelobten Abendstimmung der Niagara-Faelle gefahren. Und uns traf fast der Schlag. Da warst du auf einem vierwoechigen Trip in der Natur, bist verzaubert von unzaehligen magischen und einsamen Orten im wilden kanadischen Osten und dann, ja dann kommst du zu den Niagara-Faellen und bist einfach nur enttaeuscht.

Der kuenstlich geschaffene, mittlerweise sehr stark gewachsene Ort direkt an den Wasserfaellen war geschmacklos wie der Wiener Wurstelprater - nur in ungleich hoeherer Dimension. Ein riesiges Casino, zahlreiche Hotelkomplexe, Nachtclubs, Restaurants, Geisterbahnen, Imax-Kinos, Touristenlaeden und vieles mehr versperrte den ungetruebten und direkten Blick auf die Faelle. Ja, man musste sich erst durch alles durcharbeiten. Ein Trauerspiel.

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Dennoch ein paar Infos fuer alle Interessierten: Die Niagara-Faelle selbst bestehen aus zwei grossen Wasserfaellen: Den "American Falls" und den "Horseshoes Falls". Diese sind abends mit bunten Scheinwerfern beleuchtet, was gluecklicherweise ein durchaus schoenes Bild abgibt und somit fuer ein wenig Frieden in unseren angeschlagenen Seelen gesorgt hat. Ein nettes Feuerwerk hat den Freitag Abend zumindest halbwegs versoehnlich abgerundet.

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Am naechsten Morgen haben wir unsere sieben (Camping)sachen zusammengepackt und sind vor der Fahrt nach Toronto nochmals zu den Niagara-Faellen gefahren, um sie uns auch bei Tag zu Gemuete fuehren zu koennen. Das peinliche Rundherum wurde nicht besser. Im Gegenteil: Bei Tageslicht sah alles noch viel erschreckender aus: King Kong, T-Rex, Dracula, Frankenstein, Wedding Chapel im Las Vegas Style und vieles mehr. Was das mit den Niagara-Faellen zu tun hat? Wir haben keine Ahnung!

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Zur Ehrenrettung muss man jedoch anmerken: Die Wasserfaelle selbst sind sehr beeindruckend (trotz der Touristenmassen) und ein wundervolles Naturereignis. Und "dank" der wie Staub aufgewuehlten Wassermassen wird man - je nach Windrichtung - auch ganz schoen nass.

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Danach sind wir nach Toronto aufgebrochen und wollten eigentlich den dem Flughafen naehesten Campingplatz ansteuern. Schliesslich sollte es am naechsten Morgen sehr zeitig zum Flughafen gehen, denn das Auto musste vorher noch zurueckgebracht werden. Doch es kam alles wieder einmal ganz anders. Kurz vor Toronto begann es zu schuetten und die Vorhersage fuer die Nacht verhiess nichts Gutes. Daher haben wir uns schnell ins Internet geschmissen (WI-FI ist auch hier beinahe ueberall gratis zu haben) und uns ein Motel in der Naehe des Flughafens rausgesucht. Das hat uns zwar deutlich mehr gekostet als der Campingplatz aber wir hatten Fruehstuck dabei. Und vor allem hatten wir ein Dach ueber dem Kopf (und das Zelt bereits in trockenem Zustand eingepackt). Und gut war es, denn es hat die ganze Nacht so richtig durchgeschifft!

Unser letztes Abendmahl - eigentlich fuer den Campingplatz vorgesehen - nahmen wir somit halt im Zimmer ein:

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Und wir haben vor dem Packen unserer Rucksaecke und dem damit verbundenen Aufbruch zum allerletzten Teil unserer Reise endlich Teile unseres Gewands ausgemistet. Auch wenn wir wissen, dass ihr unser Outfit auf der Reise sehr lieb gewonnen habt (ganz sicher, oder?), war es an der Zeit "loszulassen". Aber damit wir nicht ganz nackt dastehen wuerden, wurde erstmals nur ein kleiner Teil entsorgt. Immerhin ein Beginn also. Also, sagt zum Abschied leise "Servus" zu meinem voellig abgefuckten Kapuzensweater, dem abgenudelten 79er-T-Shirt und dem verlausten Sportkapperl (das grindige, weisse, langaermelige T-Shirt kam erst gar nicht mehr aufs Foto drauf).

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Und es blieb wehmuetig, die letzten Augenblicke auf kanadischem Boden wurden angezaehlt. Die Fahrt auf den Flughafen war eine Sache von Minuten, das Fruehstueck davor ebenso. Genauso wie die Autorueckgabe danach. Da standen wir nun beim Check-in-Schalter von American Airlines. Zeit, unser Abenteuer Kanada Revue passieren zu lassen.

Die Leute haben wir als aeusserst froehlich, locker und daher als sehr freundlich erlebt. Auf Vancouver Island und ganz im Osten sind sie ganz besonders gut aufgelegt. Fragt uns nicht wieso das so ist, aber das war sehr beeindruckend und fuer uns als gelernte Oesterreicher kaum zu glauben. Wir werden uns in Zukunft an der eigenen Nase nehmen und versuchen, etwas von dieser Froehlichkeit anzunehmen.

Kanada ist so richtig international. Offiziel ist das ganze Land zweisprachig, gelebt wird die Bilingualitaet allerdings nur in der oestlichen Provinz New Brunswick. Dennoch: Franzoesisch ist fuer alle Kanadier ab Ontario ostwaerts ein Kinderspiel, im Westen wird auch Spanisch zumindest in oeffentlichen Einrichtungen unterstuetzt (z.B. bei Durchsagen in Zuegen). Integration, wie wir sie in Oesterreich wahrscheinlich in hundert Jahren noch nicht haben ("...do koennt jo jeder kuman...").

Der Verkehr ist sehr gesittet, in den grossen Staedten ebenso wie in einsamen laendlichen Gegenden. Gehupt wird nicht, Ungeduld hinterm Steuer ist tabu. Das maximale Tempolimit ist auf den schnellsten Highways (und davon gibt es nicht allzuviele) fesche 110 kmh. Trotzdem passieren sehr viele Unfaelle, teilweise verherrend. Wir waren Zeuge von nicht nur einem Unfall. Ein brennendes Auto, eines am Dach liegend, ein sich im Graben befindliches. Ironisches Fazit: Das Manko an der gesitteten Fahrweise ist, dass viele nicht wirklich gut Auto fahren koennen, weil sie es im Normalfall nicht muessen.

Skurill auch das 4-Weg-Stopp-Tafel-System. Alle vier an einer Kreuzung muendenden Strassenteilnehmer haben eine Stopp-Tafel. Hat man sich daran erstmal gewoehnt, klappt das jedoch sehr gut. Es ist naemlich simpel, es funktioniet nach dem First-Come-First-Serve-Prinzip. Man kann in allen Provinzen, zumindest in jenen, die wir besucht haben, bei rot rechts abbiegen, so es der Verkehr zulaesst und nicht anders angeschrieben ist. Das Benzin ist billig, je nach Umrechnungskurs aehnlich guenstig wie in Australien, also etwa ein kanadischer Dollar. Nummernschilder sind nur hinten Pflicht, vorne muss gar nix oben stehen oder du schraubst dir ein Taferl deiner Wahl unter die Motorhaube. So wurden wir Zeugen von offenbar hier sehr populaeren EU-Schildern wie zum Beispiel von Schweden oder Portugal.

Europaeischer Fussball ist sehr populaer, auch wenn sich das in den Ergebnissen des kanadischen Nationalteams nicht widerspiegelt. Baseball uebertrumpft klar den American Football. Es gibt im ganzen Land unzaehlige Sports bars. Egal wo du einkaufst, es ist beinahe alles exklusive Umsatzsteuer angeschrieben. Kanadier haben gesetzlich nur zwei Wochen Anspruch auf bezahlten Urlaub. Unterbezahlte Jobs auf Tankstellen oder in Drug Stores durchaus auch gar keinen! "Dank" dieser Regelung sind viele auf Kurzurlaub, zumeist am Wochenende, angewiesen. Fuer uns als Reisende sehr gut, unter der Woche ist somit auch im Hochsommer deutlich weniger los. Manche Firmen zeigen sich aber grosszuegig und "runden" den Urlaubsanspruch durchaus auch mal ueber den gesetzlichen Anspruch auf.

Die Grossstaedte in Kanada sind sehr sicher, es gbit WI-FI-Spots an fast jeder Ecke gratis. Beim Campen ist ein Lagerfeuer Pflicht, sonst wirst du sofort als Europaeer entlarvt. Grosse, sogenannte "Big Rigs", also riesige und meist ueber 10 Meter lange Campingmobile, gibt es zwar, jedoch nicht so viele wie in den USA. Viele übernachten auch sehr gerne im Zelt. Gezahlt wird immer und ueberall mit Kreditkarte, Bargeld brauchst du fast nie.

Und so mussten wir Kanada und dessen Bewohnern doch den Ruecken kehren und wir folglich mehr als eine Traene unterdruecken. Aber versprochen: Wir kommen definitiv wieder!

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Praktisch war, dass die Einreise in die USA bereits in Kanada erfolgte. Die US-Immigration erledigt bereits in Kanada alle Formalitaeten - aber deshalb nicht weniger paranoid wohlgemerkt. Allerdings erspart dies lange Einreiseschlangen bei der Ankunft. Du bist also schon in die USA eingereist bevor du noch im Flugzeug sitzt. In New York landeten wir somit am Domestic Terminal und hatten keine Huerden mehr vor uns.

Zur Einstimmung auf New York ein waschechter "Buergermeister" - noch in Toronto am Gate gesichtet (Calle, unter Einsatz meines Lebens fotografiert!):

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Keine zwei Stunden spaeter erfolgte schliesslich der Landeanflug auf den "La Guardia Airport" im Herzen Queens:

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Lest mehr ueber unseren Aufenthalt im Big Apple - jene Stadt, die unsere Herzen im Sturm erobert hat - in unserer naechsten Geschichte. Wir jedenfalls staunen immer noch mit offenen Muendern ob dieser weltweit wohl unvergleichbaren und einzigartigen Metropole.

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Posted by NoUturners 15:47 Archived in Canada

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Comments

niagara falls ist offenbar in den letzten 4 jahren noch um einiges schlimmer geworden, diese dichte an praterambiente gab es damals noch nicht. hübsch wars aber auch damals schon nicht.
für die nächsten tage noch "drum bun", original aus baja mare

by H

@ H: Drum fahren wir da auch nimma hin. Wer weiss, wie es da in weiteren vier Jahren aussieht. Euch "Benzinbruedern" ebenfalls eine "drum bun" durch Rumaenien. Bis bald auf ein ehrliches mitteleuropaeisches Bierli!

by NoUturners

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