A Travellerspoint blog

Weird Christmas And Heavy Rain

Wauchope - Port MacQuairie - Wingham Brush - Barrington Tops National Park - Barrington - Newcastle - Watagans National Park - Wollemi National Park - Blue Mountains National Park - Katoomba - Bull Camp, all in New South Wales, AUSTRALIA

rain 18 °C
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Den Werrikimbie National Park habe ich also am Morgen des 24. Dezember verlassen. Nach einem Abstecher an die Küste nach Wauchope und Port MacQuarie, das Wetter immer noch traumhaft schön und sehr heiss, kam ich nachmittags in Wingham Brush an, wo es einen kleinen Wald mit unzaehligen Fledermaeusen gibt (Fox Bats, um genau zu sein). Nicht nur habe ich viele dieser faszinierenden Tiere von Aesten haengend gesehen, auch auf den Boden musste ich acht geben, schliesslich war dieser mit den Faekalien eben dieser Tiere zugeschissen.

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Auch die australische Version des Igels, ein Echidna, kreuzte mein Blickfeld. Statt einer spitzen Schnauze, wie man es von Igeln kennt, besitzt der Echidna eine Art Schnabel, den er auch als Hebel oder Schaufel verwendet.

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Aber auch sonst war es hier sehr idyllisch und vom drohenden Unwetter noch nichts zu merken:

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Beim Weihnachtsschmuck beweisen die Australier (wie ihre kulturell einfach gepraegten britischen Vorfahren halt) kein geschicktes Haendchen. Christmas Kitsch im "Tim Taylor Style". Obwohl: was so an oesterreichischen Christkindlmaerkten verkauft wird, schmerzt auch oft in den Augen, so selbstkritisch muss man wohl sein:

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Und weil das Wetter so schoen war, ich so viel gesehen hatte und der Tag ueberhaupt so gut gelaufen war, habe ich komplett die Zeit uebersehen. Der Dilgry Campground im Barrington Tops Nationalpark war doch noch ein ganz schoenes Stueck entfernt. Gluecklicherweise war Sommer und die Daemmerung erst irgendwann um 21 Uhr oder so. Auf der einsamen Fahrt durch den Nationalpark wurde es unheimlich. Kein Auto, keine Menschenseele weit und breit. Ich war mir zwischenzeitlich nicht mehr sicher, ob ich ueberhaupt noch richtig war.

Und dann war ich endlich da und freute mich schon auf einen ruhigen heiligen Abend. Nur ich, vielleicht ein paar Kaenguruhs und unendliche Ruhe. Umso groeßer der Schock, als genau dem nicht so war: Der Campground war vollgestopft mit Leuten, einige davon sehr eigenartig. Wirklich wohl habe ich mich nicht gefuehlt. Aber wohin sonst noch so spaet abends? So habe ich direkt am Fluss des eigentlich wunderschoenen Platzes meinen Boliden geparkt. Kurze Zeit spaeter parkte sich ein kahlrasierter, taetowierter 2-Meter-Huehne seinen Pick-Up neben mich - drei angekettete, furchterregende Hunde auf der Ladeflaeche. Also habe ich mich ohne warme Mahlzeit zunaechst in mein Auto verzogen, danach in meinen Schlafsack und spaeter auch noch ins Land der Traeume.

Die Nacht verlief sehr ruhig, meine Sorge war offenbar unbegruendet. Aber eh klar, schliesslich handelte es sich ja auch um den besinnlichen heiligen Abend. Am naechsten Morgen habe ich dennoch bereits sehr frueh das Weite gesucht. Bloederweise habe ich aber keine Fotos von diesem Campground gemacht. Erst am Weg runter ins Tal auf meinem Weg nach Gloucester habe ich die eigentlich wunderschoene Landschaft eingefangen. Der angekuendigte Regen liess noch auf sich warten:

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In Gloucester angekommen war es totenstill, keine Menschenseele war auf der Straße zu sehen. Klar, es war Christmas Day, also der 25.12, da feierte jeder im Kreise seiner Familie:

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Ich wusste nicht so recht, wo ich die naechste Nacht verbringen sollte. In bekannte oder populaere Nationalparks wollte ich nicht, ich hatte Sorge, dass diese ebenso ueberlaufen waren wie jener der vergangenen Nacht. Schlussendlich habe ich einen Campground in Barrington, im naechsten Ort, gefunden.

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Nichts Besonderes aber ganz nett. Abends hatte es noch dazu leicht zu regnen begonnen. Eine sehr nette australische Familie ist mir ueber den Weg gelaufen. Sie waren sehr redefreudig, am naechsten Morgen habe ich gemeinsam mit ihnen gefruehstueckt und mich danach auf den Weg gemacht. Und zwar nach Newcastle, eine Surferhochburg direkt an der Kueste. Aber es regnete immer wieder zwischendurch, direkt am Strand war es daher nicht sehr attraktiv.

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Ich habe beschlossen, die Nacht im Watagans Nationalpark zu verbringen. Der Weg zum angepeilten Campground fuehrte tief und weit bergab in den sehr gruenen Nationalpark, jedoch durch den Regen des Vortags extrem tiefen, gatschigen Untergrund. Im Schritttempo schlittere ich verwegen dahin - aber es war laengstens Zeit, umzukehren. Nur wo? Der Weg war schmall, rechts ging's den Hang steil hinauf, links ebenso steil hinab. Gluecklicherweise fand sich doch noch eine Stelle um umzukehren. Ich war mir nur nicht sicher, ob mir das noch gelingen wuerde. Den Vierradantrieb hatte ich ohnehin schon laengst aktiviert, jetzt war die Differentialsperre dran: meine letzte Chance. Kleine Panikattacken bereiteten sich schon auf ihren Einsatz vor. Aber ich hatte Glueck und offensichtlich auch genug Gefuehl in den Fueßen. Mit viel Geduld ist es mir gelungen, zu reversieren und langsam aber stetig wieder bergauf zu fahren. Schwein gehabt. Als Belohnung habe ich mir zurueck auf der Bundesstraße auf einem Rastplatz eine Tafel Schokolade zugefuehrt.

Gerade noch mit dem Schrecken davon gekommen, habe ich beschlossen, den weiterhin angekuendigten, schweren Regenfaellen noch eine Nacht zu entkommen. Es ging suedwaerts, bis kurz vor Sydney. Genauer gesagt in den Wollemi Nationalpark wieder auf den Wheeny Creek Campround (auf dem ich die allererste Nacht verbracht hatte). Da wusste ich, dass die Zufahrtstraße asphaltiert war und ich auch bei schweren Regenfaellen wieder rauskommen wuerde. Aufgrund der Ferienzeit war die Wiese komplett belegt, also habe ich mich auf den sehr ruhigen Parkplatz hinter der riesigen Wiese gestellt.

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(Noch keine Wirbeltiere erwischt, aber immerhin schon mal Libellen!)

Und tatsaechlich, in der ersten Nacht fiel kein Regen. Erst in der zweiten Nacht setzten gegen vier Uhr frueh massive Regenfaelle ein. Der Himmel brach ueber mir zusammen. In der Frueh bin ich zeitig aufgebrochen und wohl gerade rechtzeitig. Es hatte sich bereits ein Erdrutsch angekuendigt, diesen habe ich gerade noch hinter mir gelassen - auch dieses Abenteuer habe ich nicht fotografisch dokumentiert, ihr muesst also meinen wilden Geschichten trauen.

Im Oertchen Katoomba, in den Blue Mountains gelegen (euch moeglicherweise aus den ersten Eintraegen bekannt), habe ich mir ein ausgedehntes Fruehstueck gegoennt und das Ende des Regens abgewartet. Aber es blieb stark bewoelkt, mein Abenteuergeist war fuer diesen Tag aufgebraucht. Fuer die vorletzte Nacht vor Margits Ankunft bin ich wieder zum Perry's Lookdown gefahren (wo ich die zweite Nacht verbracht hatte), um da eine Nacht zu bleiben. Diesmal war schon mehr los als noch vor Weihnachten. Aber es war sehr lustig. Ich habe Belgier, Franzosen und Hollaender getroffen. Letztere sind mit ihrem stinknormalen zweiradangetriebenen Campingmobil eine kleine Böschung runtergefahren und ganz "überraschend" im sehr tiefen Boden stecken geblieben (Hollaender halt - noch Fragen?)! Aber der Europaeer hilft halt zusammen und so haben wir alle den so laessigen aber hirnlosen Hollaendern beim Anschieben geholfen.

Es war nebelig aber der Regen hatte vollstaendig aufgehoert. Ich bin frueh ins Bett gekrochen während die anderen noch ein kleines Lagerfeuer veranstaltet haben.

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Am naechsten Morgen bin ich zeitig aufgebrochen und habe auf einer Rest Area gefruehstueckt. Und es schien doch tatsaechlich wieder die Sonne vom Himmel:

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Und aufgrund des schoenen Wetters bin ich noch zu den "Three Sisters" aufgebrochen: Eine Felsformation in den Blue Mountains. Die Ausblicke waren wunderschoen, aber ich habe hier zum ersten Mal auf der Reise richtigen Massentourismus erlebt.

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Am fruehen Abend, endlich wieder warm und sonnig, bin ich auf einem schoenen Roadside Stop (Bulls Camp Reserve, da wo ich auch gefruehstueckt hatte) gelandet, 70 km von Sydney entfernt. Denn: Margit kam am naechsten Morgen an und ich wollte so nahe wie moeglich an Sydney ran ohne irgendwo fuer die Naechtigung zahlen zu muessen. So wie die letzten 14 Tage auch. Dieser Platz war perfekt.

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Die Reisezeit komplett autark und unabhaengig zu verbringen war eine ganz besondere Erfahrung fuer mich. Ich habe bereits jetzt sehr viele Leute getoffen, die meisten von ihnen Australier. Sie sind sehr freundlich und gespraechig und vor allem unheimlich locker. Ich glaube, das liegt an der ganzjaehrigen Sonne. Durch den Reisestil, mit dem eigenen Auto zu abgelegenen Plaetzen zu fahren, kommt man eben gluecklicherweise vor allem mit Einheimischen in Kontakt und weniger mit den hippen europaeischen und amerikanischen Backpackern, die man eher in Hostels oder auf kommerziellen Campingplaetzen vorfindet.

Das war sie also, meine kurze aber spannende Reise ganz alleine durch einen kleinen Teil des riesigen und wunderschoenen Bundesstaates New South Wales. Ab sofort war Margit mit mir unterwegs und unsere gemeinsame Reise um die Welt konnte nun richtig losgehen. Und wie es Margit, die zum Zeitpunkt meiner letzten einsamen Nacht bereits hoch ueber den Wolken schwebte, bei ihrer Abreise erging, erfahrt ihr im naechsten Bericht.

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Posted by NoUturners 22:08 Archived in Australia Tagged automotive

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