A Travellerspoint blog

Into The Wild (feat. Warren Gorge)

Dublin - Port Parham - Port Augusta - Quorn - Warren Gorge, all in South Australia, AUSTRALIA

sunny 30 °C
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Ausgestattet mit dem passenden Soundtrack zum gleichnamigen Film (siehe Betreff) haben wir uns von der kleinen Grosstadt Adelaide verabschiedet und uns in die Wildnis begeben. Zunaechst noch quaelenderweise mitten durch Adelaides Zentrum und Berufsverkehr, bald aber wurde der Highway immer leerer und alles ein wenig karger. Nach Norden fahrend haben die Flinders Ranges langsam begonnen, sich rechts von uns (fuer alle zart besaiteten Geographen unter euch: ja ich weiss, das heisst auf richtig "oestlich") aufzurichten, um uns die naechsten Tage zu begleiten.

In Port Parham (noerdlich von Dublin, nein nicht DAS Dublin) haben wir uns fuer die Nacht niedergelassen. Der Himmel war in Wolken getaucht, es war leicht windig und schon recht schwuel. Die Fliegen haben sich zurueckgehalten (aber dafür am naechsten Morgen so richtig zugeschlagen!). Es waren noch drei andere Camper anwesend (und ein junger Hund mit stechend gruenen Augen und zerzausten Ohren - sah aus wie ein Gespenst war aber sonst sehr lieb). Der Platz lag direkt hinter einer Sandduene keine 10 Meter vom Strand entfernt. Aber die ganze Atmosphaere war eigenartig. Der Strand war von unzaehligen Blaettern bedeckt, nicht sehr ansehnlich und die Gebuesche rundherum waren von Mause aehnlichen Tieren bevoelkert (Quokas oder verwandte Nager dieser Art), die uns waehrend des Abendessens begleitet haben. Und ein Gewitter zog neben uns (fuer alle, die es genau wissen wollen: suedwestlich) am Horizont ueber das Meer hinweg. Am naechsten Morgen war uebrigens Ebbe und da das Wasser hier wohl nicht sehr tief ist, war von eben diesen kaum mehr was zu sehen.

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Der Tag danach: Wie gesagt viele Fliegen, daher nur kurzes Fruehstueck und eine lange Fahrt ueber Port Pirie bis nach Port Augusta. Eine nicht unbedingt schmucke Stadt aber einen grossen Supermarkt und eine halbwegs guenstige Tankstelle hatte sie. Und weil unsere Klimaanlage ins Autoinnere Wasser verloren hat, haben wir auch gleich eine Autowerkstatt aufgesucht. Nach anfänglichen Zögern hat der anwesende Mechaniker unsere Scarlett etwas genauer unter die Lupe genommen. Liebevoll hat er sich des verstopfen Abflusses der Klimaanlage, die das Tropfen in das Wageninnere verursacht hat, angenommen und nebenbei auch eine undichte Stelle in der Ölwanne festgestellt ("You have a nasty oil leak there"). Auch dies hat er mehr oder weniger einer Reparatur unterzogen. Die 40 Dollar dafür hat er quasi schwarz kassiert, aber wir konnten zufrieden ins Outback aufbrechen.

Es ging weiter nordwaerts, genauer gesagt bis zum sehr netten aber ueberaus ruhigen Staedtchen Quorn und noch genauer gesagt bis zur Warren Gorge. Eine wunderschoene Schlucht, eine riesige Lichtung zum Campen und kein Mensch da! Da hatten wir die Qual der Wahl bei der Platzsuche. Bei der Ankunft hatte es leicht geregnet, also haben wir uns ein Platzerl unter Baeumen gesucht, an denen wir unsere Plane befestigen konnten (Calle, danke noch immer fuer die schottische Inspiration). Die Baeume wirkten sicher (es gibt ja auch einige, da weiss man nicht, ob da bald ein Ast runtergekracht kommt), die Plane war rasch fixiert. Es wurde gekocht und gegessen und danach die Plane fuer die kommende Nacht nochmals besser abgespannt. Eben so, dass sich kein Wasser sammeln konnte. Bloed nur, dass es kurz danach zu regnen aufgehoert und nicht mehr begonnen hatte. Dafuer raschelte die Plane nun beim kleinsten Luefterl, was wiederum beim Schlafen stoerte. Also eben wieder aufgestanden und ganz runter mir ihr.

Am Tag danach und auch während der folgenden Tage herrschte wolkenloses und heisses Hochdruckwetter. Ein ordentlicher Sommer halt! Andere Camper gabs nicht, wir hatten die riesige Schlucht ganz alleine fuer uns - sieht man vom letzten Abend ab, als ein paar australische Bauernluemmel mit ihren mehr oder weniger auffrisierten (aber eigentlich schaebigen) Kisten ein paar Wettfahrten machten. Die Australier sind ueberhaupt ein sehr einfaches (aber stets blendend aufgelegtes) Volk, da sind aufgemotzte Schlitten und die dazu gehoerenden Wettfahrten durchaus ein kultureller Hoehepunkt am Wochenende.

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Wir wollten eigentlich nur eine Nacht bleiben, da wir zum Flinders Ranges National Park weiter wollten. Aber der war in dieser Woche nur limitiert besuch- und becampbar ("Animal Control" nennen hier die Aussies euphemistisch das Abschiessen von zu vielen Ziegen). Also sind wir in der Warren Gorge ganz einfach laenger geblieben, naemlich drei Naechte. So hatten wir Zeit fuer die Waesche (also fuer uns selbst und auch fuer die Textilien darueber), zum Lesen, fuer eine tolle Wanderung und ueberhaupt fuer die Seele. Verbarrikadiert hinterm Kachelofen, den Gluehwein in Haenden haltend, habt ihr ja so gar keine Vorstellung davon wie stressig so eine lange Reise sein kann. Wir liessen die Seele jedenfalls baumeln (nur das Bier und der Wein gingen uns aus, also gabs einfach mal Wasser, manchmal muss man halt auf Luxus verzichten).

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Nicht nur unsere Seelen, auch ein Paar Schuhe baumelte:

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Die Wanderung entlang des "Warren Gorge Loop Trails" war ein kurzer und einfacher Rundweg mit tollem Ausblick auf Fauna und Flora bis hin zum Smoke-Oh Lookout (ja, der heisst wirklich so):

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Vor diesem Kollegen wuerde sich sogar Thekla die Spinne fuerchten.

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Ein Lizard. Wo ist hinten? Wo ist vorne?

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Gewohntes Bild: Im Bach kein Wasser:

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Exkurs fuer alle Sternengucker unter euch: Also ich bin ja ein Kind der Stadt, da kenne ich einen klaren Sternenhimmel grundsaetzlich nur vom Hörensagen. Aber auch Margit, von Kindheit an mit klarem, laendlichem Sternenhimmel verwoehnt, kommt ob des unglaublich faszinierenden astronomischen Anblicks der Suedhalbkugel ins Schwaermen. Etwas, was man nicht beschreiben und nicht mit der Kamera festhalten kann. Traumhaft!

Naechtens hoerten wir auch Fledermaeuse und das Gehopse der untertags verschreckten Yellow footed Rock Wallabys (gesehen haben wir sie aber leider nie). Und fruehmorgens gabs immer viel Tierbesuch: Von inflationaer vielen Kaenguruhs, der laut jammernden schwarzen Kraehe (muss von Oesterreichern eingefuehrt worden sein, das Gekraechze klingt nach einem einzigen furchtbaren Jammern), einer laut bloekenden Schafherde sowie vom froehlich-kecken Gelaechter des Koockabooras (letzterer hat uns auch abends immer in den Schlaf gelacht)! Der Baum neben uns hatte eine 24-Stunden-Schicht und hat gequietscht wie ein nicht geoeltes Scharnier. Und die Fliegen konnten wir mit den bereits davor besorgten Fliegennetzen in Schach halten. Australische Natur wie sie leibt und lebt.

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Auch dies ein komisches Tier. Haseneichhoernchenschweinchen? Wer hat Vorschlaege?

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Und somit veraschiedeten wir uns von drei Tagen und Naechten voller Ruhe und wunderschoener Landschaft wieder Richtung Quorn, von wo wir in den Flinders Ranges National Park aufgebrochen sind. Ein Stueck Natur, eigentlich fast irgendwie schon im Outback liegend - oder zumindest knapp an der Grenze zu eben jenem. Es wurde heisser, trockener und noch beeindruckender. Davon mehr im naechsten Bericht.

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Posted by NoUturners 18:58 Archived in Australia

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Comments

fixnochamoi! nach eineinhalb, zwei monaten habt es es tatsaechlich erfolgreich geschafft, eine gewisse suchthafte blog-abbhaengigkeit zu erreichen. bravo.
nein im ernst. bitte unbedingt weitermachen, es ist schön, mit euch beiden "mitzufahren"

by HrWick

... auch meine allmorgenmittaegliche pflichtlektuere bei café latte und mohnweckerl mit brunch, honigkrustenschinken und brie... aber dass wein und bier ausgehen, ist unverzeihlich! margit: BOOZE! (ein insiderschmaeh :-))

by MAIKEL

also an den großen supermarkt in port augusta kann ich mich auch noch erinnern... was das wildlife angeht würd ich eher auf eine herde wildgewordener wollnashornziegen tippen. sehr selten!!

by sorellina

@ Maikel - bist wieder mit dem steirischen Bus gefahren? ;o) da kommen Erinnerungen und ein Laecheln in mein Gesicht...

by NoUturners

Herr Wick, schnallen Sie sich Ihnen fest an. Sie sind dabei!

by NoUturners

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