A Travellerspoint blog

Peninsula Valdés (el entusiasmo de Margit)

Puerto Madryn - Peninsula Valdés - Punta Tombo - Trelew - Puerto Madryn, all in Chubut, ARGENTINA

sunny 21 °C
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Weiss war er und hatte erst 18.771 Kilometer auf dem Buckel, unser Corsa. Beinander war er aber wie ein alter Herr. Eigenartig klingender Motor, defekte Radzierkappen, nicht vorhandene Kuehlerabdeckung, quietschende Tueren. Ui, wie haben wir in diesem Augenblick unsere australische Scarlett vermisst mit ihren 357.000 Kilometern und dem schnurrenden Motor. Aber egal, nur 48 Stunden musste er halten. Und gleich vorweg: Er hat uns brav und verlaesslich ueber 800 Kilometer gebracht, die Haelfte davon schlimmste Schotterstrasse. Probleme hatte ich eigentlich nur mit dem Rechtsverkehr. Gar nicht so einfach nach 13.000 Kilometern innerhalb von drei Monaten durch Australien, sich darauf einzustellen. Mehrmals habe ich die Gangschaltung links gesucht und den Scheibenwischer statt des Blinkers betaetigt (sowieso ein Bloedsinn, weil in Argentinien verwendet man ja ohnehin keine Blinker).

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Gleich am Weg in den Nationalpark hat sich das hiesige Wildlife vorgestellt. Guanacos, zur Familie der Lamas gehoerend, grasten bereits genuesslich am Rande der Strasse.

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Nachdem der Eintritt bezahlt wurde, haben wir einen kurzen Abstecher zum Nationalparkzentrum gemacht. Von da hat man einen guten Blick auf die "Isla de los pajaros" (Vogelinsel), die Antoine de Saint-Exupéry in seinem Buch "Der kleine Prinz" zur Szene mit "der Schlange, die einen Elephanten geschluckt hat" inspiriert hat.

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Danach gings hinein in den Park auf die Schotterstrasse. Und da wurde auch wieder gegruesst. Nicht ganz so selbstbewusst wie in einem 4WD sitzend aber doch:

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Und dann kam der Punkt, als Margit "ausgezuckt" ist. Endlich, endlich, endlich sah sie Pinguine hautnah, in echt quasi. Und zwar in Massen. Eine riesige Kolonie, keine Ahnung, tausende sicher, sassen, watschelten, schrien, lagen und assen vor sich hin. A Wahnsinn!

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Dafuer wurde sogar die gute Kamera ausgepackt:

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Danach gings weiter. Und wieder stellte sich uns die Fauna bereitwillig vor. Zunaechst etwas bodenstaendiger:

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Ein Nandu Petiso (quasi ein argentinischer Emu):

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Zwei verspielte und sehr freche (hairy) Armadillos (Guerteltiere):

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Zwei neugierige aber sehr scheue Graufuechse:

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Ein Schlangendomteur gab fuers TV eine kleine Vorstellung (ich glaub, das war eine giftige welchige):

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Zwei eingefuehrte Arten:

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Ein Blick in die Landschaft:

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Gruess Sie, Albatross mein Name:

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Wieder Guanacos, inflationaer wie die Kaenguruhs in Australien. Gibts hier quasi an jeder Ecke:

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Ein stures Pferd, ruehrte sich keinen Meter:

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Ein Tarnvogel (Herr Wick, welcher?):

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Eine Kolonie Seehunde und/oder Seelowen:

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Und hier an der Punta Norte warteten wir, mit zig anderen Touristen, auf den Orca, der genau hier hin und wieder auftauchen wuerde. Meistens dann, wenn die Flut am hoechsten steht. Leider haben wir vergeblich gewartet und die kleinen, verspielten Seehunde sind ihrem Schicksal gerade noch entkommen. Dafuer haben wir etwas die Abendstimmung eingefangen und Margit hatte wieder die Erwachsenenkamera mit.

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Und wer war noch da? Richtig! Diego! Oder doch Messi?

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Als es stockdunkel war, sind wir auf der Schotterpiste wieder zurueck gefahren. Ein Erlebnis fuer sich, aber wir haben es geschafft. Genaechtigt haben wir im Kaff Puerto Piramide. Ein riesiger, fast leerer Campingplatz. Diesmal ohne streunende Hunde sondern vielen, kleinen suessen Kaetzchen. Die haben mein Herz natuerlich sofort erweicht. Margits weniger (dafuer ist sie bei den Hunden nicht so streng - wir ergaenzen uns optimal!).

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Uebrigens: Mit dem Spanisch tun wir uns manchmal immer noch schwer. Aber unsere an "Pictionary" grenzende Zeichensprache wird geschaetzt. Als wir am naechsten Morgen noch kurz bei einem kleinen Kreisler einkaufen waren, hat die etwas aeltere Besitzerin doch tatsaechlich allein aufgrund unserer wirren Gesten sehr rasch erraten, dass wir einen Schwamm kaufen moechten. Der Schwamm hiess uebringens "Esponja", also eh fast das gleiche Wort wie im Englischen. Ja, aber die Aehnlichkeit musst du bitte mal raushoeren, denn ausgesprochen ist "Esponja" weit vom englischen "Sponge" entfernt!

Soweit zum Exkurs. Bevor wir aus dem Nationalpark wieder rausgefahren sind und uns Richtung Sueden zur naechsten, noch viel groesseren Pinguinkolonie in Punta Tombo aufgemacht haben, sind wir auf einen kurzen Abstecher zu einer Flamingokolonie gefahren.

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Bei Traumwetter sind wir fast 300 Kilometer weiter gefahren:

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Und nun durfte Margit ihren Traum weiterleben. Durch diese Pinguinkolonie konnte man nämlich sogar mitten durchgehen. Angreifen und fuettern war verboten, aber man kam den kleinen Schwarzweissen so richtig hautnah - wieder mit der Profikamera:

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Ausserdem mischten sich noch eine Menge Maeuse aehnliche Tiere unter die Pinguine. Davon gibts hier so viele verschiedene Unterarten, dass wir nicht genau wissen, welche es waren.

Auch ein Raubvogel liess sich blicken:

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Das ist eine Info fur den Luca: Wir haben von beinahe allen Tieren auch Videoaufnahmen gemacht. Extra fuer dich! Dauert halt noch bis zu unserer Rueckkehr.

Danach sind wir wieder aufgebrochen. Und das Abenteuer ging erst jetzt so richtig los. Auf der Rueckfahrt wurde naemlich das Benzin knapp. Wir befuerchteten Schlimmes, irgendwo im Nirgendwo Patagonies sitzen zu bleiben und Autos anzuhalten. Ich war nervoes, in der Tat. Als die Tankanzeige zunaechst durchgehend leuchtete und ein wenig spaeter auf blinkend umschaltete, schien unser Schicksal endgueltig besiegelt. Doch der Wagen hat durchgehalten. Na ja, also fast aber nicht ganz. Drei Kilometer vor der erloesenden Tankstelle kamen wir zum Stillstand. Ist uns beiden noch nie passiert. Und dafuer das erste Mal gleich in Patagonien. Ein Notfallsplan war schnell erstellt: Margit blieb im Auto. Und ich war das erste Mal seit fuenf Monaten wieder joggen. In Jeans, Sneakers und ohne Pulsuhr. Nach etwa fuenfhundert Metern hielt ein Pick-Up neben mir an. Zwei junge Burschen hatten unseren Wagen gesehen, dann mich laufenderweise und schliesslich eins und eins zusammengezaehlt. Ich durfte einsteigen. In "Spanglish" habe ich ueber die Notlage berichtet. Und was nun folgte, ist eine wunderbare Geschichte ueber ungefragte Hilfsbereitschaft.

Ich bin davon ausgegangen, dass sie mich bis zur Tankstelle mitnehmen und ich mich ab diesem Zeitpunkt um einen Kanister und den Rueckweg zum Auto selbst kuemmern muss. Nein, die Jungs hatten anderes im Sinn. Sie haben fuer mich an der Tankstelle nach einem Kanister gefragt und als diese keinen hatten, haben sie kurzerhand mit mir kehrt gemacht und gemeint, sie schleppen mich einfach zur Tankstelle ab. Auf meine Frage, ob sie es nicht eilig haetten, meinte der Fahrer. "I am not in hurry, I come from work". Also gut, bitte, das nehme ich doch gerne an. Margit war dermassen erloest, als ich wieder zurueckgekommen bin, denn ganz wohl war ihr nicht dabei, als sie mich in aus der Ferne in ein fremdes Auto einsteigen sah.

Ich kuerze nun ein wenig ab: Die beiden Jungs haben uns abgeschleppt und uns zur Tankstelle gebracht (einer der beiden war Seemann und hat ohne hinzusehen mit einer derartigen Geschwindigkeit einen Knoten ins Abschleppseil gemacht, dass mir richtig schwindelig wurde). Da haben wir aufgetankt. Auf meine Frage, wie ich das wieder gut machen kann, meinten sie: Just give me a hug. Also habe ich die beiden herzlich (wirklich herzlich!!!) umarmt und sie ziehen lassen. Fuer die beiden war das wohl gar nicht so eine grosse Sache. Fuer uns waren sie einfach die Retter in der Not. Eine schoene Geschichte, oder? Und sie stimmt sogar!

Auf der Fahrt zurueck nach Puerto Madryn habe ich verwegenerweise noch eines draufgesetzt. Zwei extrem langsam bergauffahrende LKW haben eine ganze Schlange Autos hinter sich hergezogen. Wir waren in jener Schlange gluecklicherweise zweitgereiht (eine hinter der "Pole" quasi), nur zu ueberholen ging aufgrund der kurvigen Strasse und somit schlechter Einsicht in den Gegenverkehr so gut wie gar nicht (finster war's noch dazu). Also habe ich mich der Fahrerin vor mir beherzt angeschlossen und einfach rechts am unbefestigten Fahrbahnrand ueberholt. Argentinisch improvisiert also. In mir fliesst Gaucho-Blut, ich sag´s euch!

Uebernachtet haben wir also wieder in Puerto Madryn, es war schon lange finster, als wir da ankamen. Wir haben aber einen anderen Campingplatz ausgewaehlt. Auch dieser war von zwei Vagabunden bevoelkert aber die haben sich ueberhaupt nicht geruehrt. Wir haben das Zelt aufgestellt und uns in den verdienten Schlaf begeben. Die Nacht war sehr kuehl aber die Schlafsaecke waren perfekt! Und morgens war wieder Traumwetter.

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Wir haben zusammengepackt, das Auto zurueckgegeben und uns im Café Havanna zwei Cortados gegoennt:

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Wirklich gut fand ich die ungeschriebenen argentinischen Verkehrsregeln. Kein Blinken beim Fahrbahnwechsel, Fahrbahntrennlinien werden ignoriert, beim Zufahren am Strassenrand einfach die Warnblinkanlage einschalten. Funktionert wirklich gut, ich habe es ganz selbstlos getestet!

Wie auch immer, mittags ging unser Bus mit etwas Verspaetung Richtung Rio Gallegos, wieder eine Fahrt von 20 Stunden. Aber wieder sehr gemuetlich. Den Anschlussbus nach Usuhaia haben wir beinahe verpasst, aber es ging sich aus. Wieder 14 Stunden. Gesamt also fast 35 Stunden Busfahrt. Und wie wir die Fahrt erlebt haben und wie langsam doch die chilenisch-argentinischen Grenzbehoerden arbeiten und warum wir deshalb spaetestens jetzt das grenzenlose Europa gut finden, erfahrt ihr im naechsten Bericht - direkt vom tatsaechlich traumhaften Ende der Welt!

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Posted by NoUturners 15:09 Archived in Argentina

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Comments

juhu danke für das foto vom raubvogel, aber was ist das für einer? danke für die videos!!! ich kann es kaum erwarten sie zu sehen!!

by Luca

Liebe Margit und Lacky, wir haben gerade eure Reise miterlebt. Wirklich faszinierend und einige Destinationspunkte haben wir auch aus unseren letzten Reisen (Dezember 2008) wieder erkannt (wie zb. La Boca, Evitas Grab .....).
Wir freuen uns auf weitere lebendige Berichte und wünschen euch auf euren weitern Weg viel Glück und Spass!
Wir sehen uns in Rittis bei der nächsten Mountainbiketour!
Lg Franz und Elfi

by Familie Österreicher

@ Luca: Leider wissen wir es nicht genau. Es muss ein Falke oder ein Habicht sein. Vielleicht finden wir es noch raus. Hier in Feuerland gibt es davon unzaehlige, man begegnet ihnen staendig. Heute haben wir sogar zwei Adler aus der Naehe gesehen. Wunderschoene Tiere.
@ Familie Oesterreicher: Danke vielmals fuer die Gluecks- und Spasswuensche. Wir tun unser bestes dafuer, dass dem auch so bleibt. Und auf die Pretulntour und die senstionelle Rittiser Gastfreundschaft freue ich mich schon jetzt...

by NoUturners

Wir haben gerade die omas in bad kreuzen besucht und nach unserer Rueckkehr gleich den Argentinien Reisebericht von euch gelesen. Tolle Geschichte mit den beiden Burschen, die euch abgeschleppt haben. Sagt ja schon ein Sprichwort "Wenn man glauibt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.". Lieber Christian, aber wahrscheinlich haben sie das fuer deine Begleiterin gemacht? Also war das halbe Lichtlein deine Margit, oder?
Sind schon neugierig auf euren Ushaia Bericht - soll ja wie eine Märchenwelt sein!
Herbst bei euch - Frühling bei uns. Na ja , es wird langsam aber sicher wärmer und Stadlau wird bis zum Sommer fertig sein. Da könnt ihr euch nach eurer Rückkehr auch einmal ein Wochenende ausruhen.

Ernst + Elisabeth

by Ernst + Elisabeth

@ E+E: So, das mit dem Lichtlein machts euch mit der Margit aus. Ich misch mich da nicht ein. Nur eines ist klar: Fuer mich ist sie nicht nur ein halbes Lichtlein sondern mehr ein ganzes ... grosses... ein Sonnenschein quasi! Ushuaia oder besser gesagt die Lage ist tatsaechlich eine kleine Maerchenwelt. Nur ist es in den Maerchen auch immer so kalt? Danke fuer das Stadlau-Angebot, wir freuen uns jetzt schon darauf. Solange die Heizung funktioniert... Ach ja, und viele, liebe Gruesse an die beiden Bad-Kreuzinnen und auch an den daheimgebliebenen Opa.

by NoUturners

Uhhhiiii wie geil! Die Margit mitten unter all den Pinguinen ;-) hiihihih

by Julia Spicker

Die Tank-Story ist die Weihnachtsgeschichte des heurigen Jahres! Alles Gute für die weitere Reise!

by Kurt Heckl

@ kmh: Also ich sag mal, es handelte sich dabei um eine Ostergeschichte. Oder hast du einen anderen Kalender als wir? Vielen Dank jedenfalls und dir einen schoenen Ausblick auf den Waehringer Guertel! Chrisli und Margit

by NoUturners

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