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Parque Nacional "Los Glaciares"

El Calafate - Parque Nacional Los Glaciares - El Chalten, all in Santa Cruz, ARGENTINA

semi-overcast 10 °C
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Mit gewaltigen Emotionen haben wir nach unserem letzten Ereignis "Torres Del Paine" die chilenische Stadt Puerto Natales fruehmorgens verlassen. Stimmungsvoller und somit passender haette uns der chilenische Morgenhimmel nicht verabschieden koennen. Wehmuetig aber wunderschoen:

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Sehr bald sind wir zur Grenze aufgebrochen. Wir waren gespannt, welche Spielchen die Grenzposten diesmal fuer uns reserviert hatten. Zu unserer Ueberraschung: Gar keine! Die Beamten auf beiden Seiten waren wohl noch mit dem Morgenkaffee beschaeftigt. Im Nu waren wir durch.

Just an der Grenze, in der Naehe des trostlosen Grenzortes Rio Turbio, gibt es Skipisten. Kalt genug war es jedenfalls bereits jetzt um diese Jahreszeit, um sich das gut vorstellen zu koennen.

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Uebrigens, ein kurzer Exkurs fuer alle Interessierten: Die Falklandinseln nennen die Argentinier "Islas Malvinas" und an jedem Grenzuebergang (egal wie weit weg dieser von den Inseln selbst ist) werden alle Reisenden mit der so wichtigen Information beglueckt, dass eben diese argentinisch sind. Aber nur in der argentinischen Realitaet, denn "in echt" gehoeren sie naemlich - leider - seit 1982 zum United Kingdom.

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So, nun wieder zu unserer Geschichte: Auch die Busfahrt war sehr angenem, nur fuenf Stunden in einem halbleeren Bus in angenehmer Gesellschaft. wir haben ein bisschen mit einigen anderen Reisenden geplaudert aber im Grossen und Ganzen eine erholsame Fahrt vollbracht. Ein paar prachtvolle Greifvoegel haben wir am Strassenrand gesichtet und somit etwas Abwechslung von der patagonischen Einoede genossen.

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In El Calafate, ein sehr touristischer Ort nahe des Nationalparks "Los Glaciares", sind wir bereits um die Mittagszeit angekommen. Das Wetter war sehr schoen und wir hatten noch den ganzen Nachmittag vor uns. Unser Zimmer im Hostal Buenos Aires, deren Besitzer an der Rezeption die Bewunderung fuer Johnny Cashs Musik nicht verheimlichen konnten, lag im ersten Stock direkt unter dem Dach. Etwas verwinkelt, aber sehr grosszuegig angelegt.

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Der Ort, doch ziemlich touristisch wie gesagt:

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Und die Gemeinschaftstoiletten warteten mit einer suedamerikanischen Novitaet auf: Es wurde deutlich darauf hingewiesen, das Klopapier unbedingt in die Toilette zu werfen und runterzuspuelen. Warum so deutlich? Ganz einfach, dies ist naemlich etwas sehr Untypisches hier in Argentinien. Bisher musste man Toilettenpapier ueberall (und ich meine damit benutztes welchiges bitteschoen, fuer alle die sich das nicht vorstellen koennen oder wollen!) im Mistkuebel daneben entsorgen. Wie auch immer, wir haben fuer den Folgetag eine der zahlreich angebotenen Gletschertouren gebucht, denn nur deshalb verschlaegt es einen ueberhaupt hier in diesen Ort. Und das hiess leider wieder: Frueh aufstehen!

Es handelte sich dabei um eine Ganztagestour, unsere erste organisierte Tour auf unsere Reise. Eigentlich ein Horror fuer uns, aber anders lassen sich die Gletscher und die am Weg liegenden Eisbloecke leider nicht besichtigen. Unsere Erwartungen wurden in zweierlei Hinsicht komplett erfuellt:

Erwartungserfuellung eins (die positive):
Es war ein grossartiges Naturspektakel, die gewaltigen Gletscher "Glaciar Spegazzini" sowie "Glaciar Perito Moreno" aus der Naehe zu sehen und immer wieder auf im Wasser schwimmende Eisbloecke zu treffen. Das Wetter war durchaus schoen, wenn auch teilweise bewoelkt. Die Fotos sprechen wohl fuer sich.

Glaciar Spegazzini (inklusive Eisbloecke auf dem Weg):

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Glaciar Perito Moreno (ebenso inklusive Eisbloecke auf dem Weg):

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Erwartungserfuellung zwei (die negative):
Die Fahrt auf dem Schiff war eine einzige Katastrophe. Pauschaltouristen in Jogginghosen und Turnschuhen, ruepelhaftes Verhalten, Beifall nach der Bootsfahrt (!!!) und der Erwerb von jedem vorgesetzten Schass (z.B. wurden Eisteile aus dem Wasser gefischt und Fotos damit verkauft bzw. in Getraenke gefuellt, die man danach kaeuflich erwerben konnte!). Quasi das Equivalent zu einem Charterflug nach Kreta mit anschliessendem Bootsausflug ink. Buffett, freien Getraenken und einem Sirtakiabend mit Sangria-Sackhuepfen. Das hat uns die Stimmung sehr verdorben, aber wir haben eines gewusst: Auch wenn es waehrend unserer Individualreise mal nicht so laueft (Campen bei Minusgraden und Regen, Hostelsuche im Dunkeln ohne Stadtplan, Sprachbarrieren, Busverspaetungen, Hundeattacken und vieles mehr) ist das gar nichts im Vergleich mit dieser siebenstuendigen Bootsfahrt oder jeder anderen organisierten Tour!!! Teuer war´s auch und die Behoerden nehmen dich beim Eintritt in den Nationalpark auch noch ordentlich aus.

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Ihr werdet euch jetzt fragen: Hat es sich also ausgezahlt? Ganz ehrlich: Eher schon, aber mit voller Ueberzeugung koennen wir es nicht sagen. Wuerden wir es nochmals machen? Hm, wahrscheinlich wuerden wir es auf eine andere Art versuchen, es haette auch Alternativen gegeben. Zwar ebenso gefuehrt aber etwas abgespeckt. So ganz individuell kommst du zu den Gletschern selbst naemlich leider nicht hin. Abends haben wir Karten gespielt und den Tag angenehm ausklingen lassen.

Uebrigens, so zwischendurch. So weit sind wir vom Rest der Welt entfernt:

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Am naechsten Morgen standen wir wieder frueh auf, diesmal war El Chalten unser Ziel, ein winzig kleiner Ort am Fusse des legendaeren und bei Wanderen so beliebten Bergs Fitz Roy. Dieser ist uebrigens ebenso im Nationalpark "Los Glaciares" gelegen, nur 200 Km entfernt und hier witzigerweise ohne Parkeintrittsgebuehren (was wiederrum die reine Abzocke bei der Gletscherfahrt beweist!). Wir sind bereits am Vormittag angekommen und haben uns gleich auf die Suche nach einem Campingplatz gemacht. Wir waren guter Dinge, denn bei der Touristeninfo am Busterminal hat man uns auf unsere Nachfrage hin versichert, dass alle drei Campingplaetze offen haetten (Sí, sí, cierto). Dazu muesst ihr wissen: Es hat ja jeder Mensch so seine eigene Realitaet (wiss ma ja alle), aber die suedamerikanische ist eine ganz spezielle welchige. Denn: Es ist hier grundsaetzlich gar nichts ein Problem (Sí, sí, no problem, no problem!) - komplett wurscht was man fragt.

Weshalb der Exkurs? Hoert gut zu! Von den drei geoeffneten Campingplaetzen (Sí, sí, cierto) war schliesslich nur einer tatsaechlich geoeffnet, aber auch nur noch fuer eine Nacht. Also haben wir bezahlt und zumindest fuer diese eine Nacht unser Zelt im zugegebenermassen schoenen Garten der sehr freundlichen Besitzerin aufgeschlagen. Heisse Duschen gab´s angeblich auch (Sí, sí, cierto, peró solo las damas), das haben wir aber gar nicht erst ausprobiert.

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Noch am selben Nachmittag haben wir uns auf eine Wanderung zur "Laguna Capri" aufgemacht (nicht ganz 20 km hin- und retour, moderate Strecke, in 4,5 Stunden bewaeltigt). Das Wetter war sehr schoen, aber es war sehr windig. Und die Landschaft wieder einmal wie aus dem Maerchenbuch:

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Bei der Rueckkehr hatte man einen schoenen Blick auf das Kaff El Chalten. Sieht aus wie eine kleine Stadt im wilden Westen. Statt der Saloons gibt´s allerdings einen Outdoorladen nach dem anderen. Dazwischen viele Lokale und Hostels, aber die meisten hatten bereits geschlossen, auch die Nebensaison war so gut wie zu Ende. Wir waren wohl unter den letzten Besuchern hier. Wir sind uns nicht sicher, ob hier im Winter irgendwer wohnt. Handyempfang gibt´s nicht, der einzige Geldautomat ist immer defekt und Bank gibt´s auch keine.

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Abends begann ein Sturm zu wueten. Wir haben uns in unser Zelt verkrochen und gehofft, dass uns der Herr Jack Wolfskin keinen Schass angedreht hat. Irgendwann in der Nacht musste ich auf die Toilette. Kurz danach hat der Sturm nachgelassen und es begann zu regnen (ein Zusammenhang dieser beiden Ereignisse ist unwahrscheinlich, kann aber nicht vollends ausgeschlossen werden). Und tatsaechlich, das Zelt hielt Sturm und Regen stand (da gebuehrt nun auch dem Herrn Erik K. aus Moedlingen ein herzliches Dankeschoen!). Und da wir uns wegen der windigen Geraeuschkulisse beide mit Ohropax versorgt hatten, bekamen wir auch die naechtliche raeuberische Attacke auf unsere Essensvorraete im Vorzelt nicht mit. Eventuell waren es wieder Maeuse, aber die Spuren waren zu gross dafuer. Wahrscheinlich war es ein ein Hund oder eine Katze. Oder gar ein Puma? Na ja, ganz ehrlich? Eher nicht. Am naechsten kamen wir einem Puma wohl waehrend der sehr charmanten und lustigen Einfuehrung der Nationalparkverwaltung bei unserer Ankunft. Da wurden wir darauf hingewiessen, dass es nicht unwahrscheinlich ist, bei einer Wanderung auf einen Puma zu treffen und wie man sich in so einem Fall verhalten sollte (laut schreien, wild mit den Armen wedeln - so wie bei einem Rapid-Match wuerde ich sagen).

Wie auch immer, am Morgen war alles von tief liegenden Wolken verhangen, eine erneute Wanderung hatte keinen Sinn:

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Und weil der Campingplatz wie erwaehnt ab diesem Tag geschlossen hatte, sind wir in eine Hosteria in ein sensationelles Zimmer uebersiedelt (Bitte, ein eigenes Bad hatten wir auch, unpackbar!!!), sogar billiger als die Hostels, in denen wir gefragt hatten. Durch die Nebensaison haben die wohl die Preise runtergefahren. Wir sind in diesem kleinen Ort ein wenig spazieren gegangen und waren auf einen Kaffee. Zum Abendessen haben wir uns ein paar der so beliebten und daher in ganz Argentinien extrem billigen Empanadas sowie eine Flasche Wein reingezogen. Prost!

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Eigentlich wollten wir laenger bleiben und noch ein paar Wanderungen unternehmen. Leider versprach der Wetterbericht auch fuer die folgenden Tage nichts Gutes. Und bei unserer Abreise am naechsten Tag (richtig, wieder fruehmorgens) lag sogar Schnee!!!

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Also sind wir schon nach zwei Naechten wieder aufgebrochen und zwar zurueck nach El Calafate, wo wir nach einer Uebernachtung (wieder bei Johnny Cash, ihr wisst noch?) den Bus nach El Bolson genommen haben. Wir haben die Zeit hier im Sueden sehr genossen, die Landschaft und die Leute. Aber jetzt darf´s schoen langsam wieder waermer werden. Daher der doch relativ grosse Sprung in den Norden. Durch die Busfahrt konnten wir wieder eine Uebernachtung einsparen, auch nicht so uebel!

Und ob es weiter im Norden wirklich waermer war und ob die Campingplaetze da noch offen hatten (Sí, sí, cierto, no problem), erfahrt ihr das naechste Mal.

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Posted by NoUturners 13:55 Archived in Argentina

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Comments

WOW...die bilder vom gletscher. sieht schon gigantisch aus!... und die menschenmassen wenn man sich umdreht auch :0), kann eure abneigung gegen touri-touren bestens nachempfinden!! na dann auf in den norden!! die sonne ruft, oder?? BACI

by sorellina

die bilder: arg, sehr arg (im pos.sinn)
die story: super, sehr super

by Hr.Wick

@ Sorellina: Die Sonne ruft so laut, Edward Munchs "Der Schrei" quasi Hilfsausdruck! ;-)
@ Herr Wick: Lese diesmal keine Ironie heraus und bedanke mich herzlich fuer das Feedback! ;-)

by NoUturners

die gletscherfotos sind sensationell. ich versuch mir euch wieder in wien zurück vorzustellen - das muss ja bei so vielen tollen eindrücken und relebnissen abstinenzerscheinungen geben. aber ihr habt ja jetzt schon die hälfte der zeit hinter euch. wünschen euch einmal einen schönen winter - bei uns ist ja schon der frühling voll im ansturm. es wird schon richtig warm.
liebe grüsse,
elisabeth und ersnt

by Ernst

@Ernesto: Ja, bald ist Halbzeit. Wir werden mit vielen tollen Erinnerung zurueckkehren, aber wir kommen gerne zurueck nach Hause. Wir sind ja nicht vor etwas gefluechtet. Da kommt man dann schon gerne wieder zurueck. Und Winter haben wir hier keinen, tut mir leid. Herbst ist und bald gehts in die chilenische Wueste. Also bitte keine Sorgen. ;-)

by NoUturners

also... eines wollen wir jetzt aber doch genau wissen bzw. eigentlich wills unser hobby (fast schon profi)-zoologe wissen. Luca: "was genau haben die gasagt soll man machen, wenn man einen puma trifft?? wahrscheinlich nicht streicheln, oder?????" BITTE um details!! dringend!Danke Luca!!

by sorellina & luca

@ Luca: Habs im Bericht nachgetragen. Streicheln natuerlich auf keinen Fall. Sich gross machen, wild mit den Armen wedeln und laut schreien. Auf keinen Fall Ruecken zukehren und weglaufen. Dann spielt sich´s naemlich wirklich ab...

by NoUturners

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