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Don´t cry for us, Argentina!

Paso de Jama, Jujuy, ARGENTINA | San Pedro de Atacama, El Loa, CHILE

sunny 25 °C
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Wir heissen euch willkommen, wie immer natuerlich herzlich, zur Aufklaerung des grossen Mysteriums. Haben wir die Einreise nach Chile ueber den Paso Jama im Norden Chiles geschafft oder mussten wir zum wiederholten Male improvisieren und ein anders Schlupfloch durch die Anden finden? Fruehmorgens am vierten Tag ging es wieder los, wir haben zum zweiten Mal versucht, ueber den eben erwaehnten Pass nach San Pedro de Atacama im Norden Chiles zu kommen. Zwei Meter Schnee lagen noch vor zwei Tagen angeblich an der Grenze herum - ihr erinnert euch? Positiv gestimmt hat uns, dass auch die Konkurrenz-Busgesellschaft den Anlauf unternommen hatte und auch unser Bus war diesmal gerammelt voll.

Die Fahrt zur Grenze kannten wir ja bereits genauso wie ihr vom letzten Abenteuer. Auch das Wetter war das gleiche - traumhaft wolkenlos! Wer die Bilder nochmals sehen moechte, muss nochmals auf den letzten Eintrag schauen. Wir haben nicht nochmals alles fotografiert, auch wenn wir wieder genauso fasziniert waren.

Also gut, eines hat Margit doch noch gemacht:

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Nach acht Stunden Fahrt kamen wir wieder bei der argentinischen Grenze an - auf 4320 Metern gelegen - und diesmal war deutlich mehr los. Es sah sehr gut aus, die Nervositaet stieg. Und schliesslich durften wir uns tatsaechlich anstellen. Um unsere Nerven ein wenig zu beruhigen, haben wir uns mit einem allein reisenden US-Amerikaner indischer Abstammung unterhalten. Ein sehr charmanter, junger Mann, der vor allem die bisher erlebte amerikanische Oberflaechlichkeit wohltuend vermissen liess.

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Es ging schliesslich doch alles sehr rasch, nur kurze Zeit spaeter hatten alle den argentinischen Ausreisestempel in ihren Reisepaessen. Der Einreise nach Chile sollte also ab nun nichts mehr im Wege stehen. Aber nur nix verschreien, gell? Wir sind ja alle gebrannte Kinder - also wir und auch ihr als mitfiebernde Leserschaft. Weiter ging es tief in die Anden hinein, leichtes Kopfbrummen und Schwindel stellten sich ein (im Bus lag sogar eine Sauerstoff-Flasche fuer die ganz harten Faelle bereit!). Und der Bus fuhr und fuhr und fuhr - aber weit und breit keine chilenische Grenzstelle und vor allem kein Schnee!!! Nur ein paar laecherliche Ueberreste am Fahrbahnrand. Jaja, ganz sicher war das vor zwei Tagen unbefahrbar.

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Jedoch ueberwog die Freude gegenueber dem Aerger. Auch wegen der wunderschoenen Kulisse. Nicht ganz so spektakulaer wie auf argentinischer Seite, jedoch immer noch eine handvoll Fotos wert.

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In etwa zwei Stunden und einem weiteren grottenschlechten Film spaeter (Jim Camerons "Avatar") kamen wir in San Pedro de Atacama an, immerhin noch auf 2240 Metern Seehoehe liegend, am noerdlichen Rand der angeblich trockensten Wueste der Welt. Und auch die Zollstelle befand sich hier. Sehr schlau, diese Chilenen. Die bauen sich fuer den Zoll keine Huette irgendwo in der andischen Einsamkeit, nein! Die machen das gleich im ersten Ort mit Infrastruktur danach. Dass dieser Stunden von der eigentlichen Grenze entfernt ist stoert offenbar niemanden. Die Einreise ging relativ rasch (wir haben schon Schlimmeres erlebt hier), aber ich wurde wieder gefilzt. Und ich habe mich rasiert, sah zivilisiert aus - ja, ich ging sogar glatt als Argentinier durch. Aber vielleicht gerade deshalb? Chilenen haben ja die Argentinier nicht so besonders gern.

Aber wir waren erneut drinnen im schmalen Land an der Westkante Suedamerikas. Und wie unser Wuestenabenteuer weiterging und ob wir tatsaechlich, wie geplant, mit einem 4WD durch die Salzwueste geduest sind, erfahrt ihr beim naechsten Mal.

Bevor wir euch aber entlassen, gilt es noch, Argentinien wuerdevoll zu verabschieden. Ein Land, dass uns ausserordentlich gut gefallen hat. Anfangs muss man sich erst an einen anderen Rythmus gewoehnen, hat man sich jedoch auf diesen einmal eingestellt, reist es sich durchaus entspannt - es ist grundsaetzlich alles sehr gut organisiert. Der Argentinier behauptet von sich durch seine vielen italienischen Wurzeln (die wir jedoch nicht entdecken konnten) sehr aufgeschlossen und temperamentvoll zu sein. Im Sueden sind die Leute, aehnlich wie in Skandinavien, etwas kuehler, aber auf lange Sicht viel herzlicher als vor allem in Buenos Aires. Da geht es sehr schnelllebig zu, temperamentvoller, aber auch oberflaechlicher. Auch die Sprache hemmt die Argentinier ziemlich. Kein Spanisch - kein Temperament. Aber dafuer sind sie auf ihren argentinischen Dialekt ganz besonders stolz - den Castellano (das Doppel-L als SCH gesprochen).

Gegessen werden Unmengen von Fleisch (Rind in erster Linie), Empanadas (mit allem möglichen gefuellte Teigtaschen) und Medialunas (bei uns waeren das kleine Kipferln oder Croissants) und ueberhaupt viel Suesses. Getrunken wird viel Kaffee aber noch viel mehr vom Mate-Tee, der eine eigene Wissenschaft ist. Die Erklaerung dazu wuerde den Rahmen dieses Blogs sprengen, Wissensdurstige schlagen auf Wikipedia nach. Gebrauchtes Klopapier wird immer und ueberall in den Muell geworfen. Mittagspause ist (fast) ueberall von 13-17 Uhr.

Das Strassenbild ist bereits in Kleinstaedten bunt, laut, dreckig und definitiv lebendig. Unasphaltierte Nebenstrassen, hupende und ruecksichtslose Autofahrer (Zebrastreifen wurden hier wohl nur aus kuenstlerischem Anspruch heraus auf die Strassen gemalt), um sich spuckende Leute (Maennlein und Weiblein gleichermassen), Autos jagende Hunde (warum, entzieht sich unser Kenntnis), Muellberge ueberall, uralte Klapperkisten mit rauchenden Auspuffen, billige Internet-Geschaefte an jedem Eck und viele, viele Polizeikontrollen vor allem bei Ueberlandfahrten.

Mit Kreditkarte zu bezahlen ist moeglich aber selten ueblich. Geht das schliesslich doch, muss man sich ausweisen koennen Das ist aber gar keine so schlechte Idee. Staedte sind beinahe alle bis auf die touristischen Zentren haesslich und verfallen. Kommt man raus aus der Stadt findet man unbewohnte und traumhafte Naturschaetze (das beruehmte aber oede Patagonien mal ausgenommen, das ist eher nur langweilig). Und die Tierwelt spielt alle Stueckerln, ganz besonders im groesstenteils unberuehrten Sueden des Landes (wir berichteten). Buenos Aires mag keiner, der da nicht wohnt und leidet somit wie Wien am Hauptstadt-Syndrom. Von coolen amerikanischen Backpackern wird Buenos Aires auch "B.A." genannt (gesprochen "BiEi" - "And, have you already been to Bi Ei?"), aber wirklich nur von diesen. Das Leitungswasser in Buenos Aires kann so wie in ganz Argentinien problemlos getrunken werden, in den Anden sogar bedenkenlos aus allen Fluessen.

Die Gepaeckschlichter fuer die Langstreckenbusse verlangen mit aggressivem Verhalten ihr Trinkgeld. Die staatliche Fluggesellschaft Aerolineas Argentinas faehrt immer noch auf der Diskriminierungsschiene und verlangt fuer Auslaender das Doppelte. Und allen Aengstlichen unter euch sei versichert: Argentinien ist ein sehr sicheres Reiseland. Gefaehrlich ist es nur um vier Uhr frueh alleine durch die Strassen von Buenos Aires zu laufen. Aber das ist ja auch in Wien Ottrakring so (sagt der H.C.).

Vielen Dank Argentinien, wir werden dich vermissen aber wir kommen wieder. Das haben wir bereits beschlossen. Und abschliessend fuer alle unter euch, die diese unsere Reise durch Argentinien ganz besonders genau verfolgt haben: Ja, wir waren in so ziemlich allen relevanten Staedten. Nur die zweitgroesste Stadt des Landes, naemlich Cordoba, haben wir ausgelassen. Aber als gelernter Oesterreicher kennt man ja alles Wichtige aus Cordoba schon, da muss man nicht extra noch hinfahren.

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Posted by NoUturners 09:40 Archived in Argentina

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