A Travellerspoint blog

California, part two: This is bear country!

Nacimiento Campground - San Francisco - Sheedy Creek Campground - Matole River Campground - Smith River Recreation Area, all in California, UNITED STATES OF AMERICA

sunny 35 °C
View Map: No U turn on NoUturners's travel map.

Also Regel Nummer eins, wenn du im Sommer an der Westkueste der USA campen moechtest: Niemals in einem Nationalpark uebernachten. Diese sind hoffnungslos ueberlaufen, du kriegst ohne Reservierungen keinen Platz und die Plaetze sind relativ teuer. “Camp outside National Parks, in National Forests!”, hat uns Andy noch als heissen Tipp mitgegeben. Jener Andy, den wir euch im zweiten Teil unserer Galápagos-Geschichte vorgestellt haben. Er hatte lange Zeit als Nationalpark-Ranger gearbeitet und war vollgestopft mit Wissen ueber die amerikanische Campermentalitaet. Und gut war es. Wir haben uns das bereits in San Francisco beschaffte Buch ueber kostenlose oder zumindest kostenguenstige Wild-Campingplaetze beherzt durchgesehen und nur jene Plaetze rausgesucht, die als “remote spots”, “secluded sites” oder “little-known campgrounds” beschrieben sind.

Die Fahrt gleich zur ersten Uebernachtungsstelle hat sich jedoch als schwierig herausgestellt. Unser Kartenmaterial war fuer die abgelegenen Plaetze nicht fein genug. So sind wir auf einem ganz anderen Campground gelandet (Nacimiento) als urspruenglich geplant (Memorial Park) und es war bereits finster. Aber nur zwei weitere Autos bevoelkerten den idyllischen Platz, es war also genug Raum fuer alle da. Unter anderem fuer Peter (der seine Kindheit in Salzburg verbracht hat und auf Deutsch ein bisserl wie unser Arnie klang) und seine Familie, von welchen wir auch gleich viele Tipps zu schoenen Plaetzen entlang der Kueste erhalten haben und die uns rechtzeitig vor der Pflanze “Poison Oak“ gewarnt haben, die an der ganzen Westkueste, aber ganz besonders in Kalifornien wild und zahlreich wuchert und schon bei der geringsten Beruehrung schwere Hautirritationen ausloest (Ein Dank an dieser Stelle, dieses Wissen war fuer die kommenden Wochen sehr hilfreich!). Obwohl der Platz malerisch an einem kleinen Fluss lag, umgeben von schoenen, schattigen Baeumen, blieb er nichts anderes als ein Mittel zum Zweck, eine Uebernachtungsstelle auf dem Weg zurueck in den Norden. Und beim Ausrollen des Schlafsacks habe ich endlich meine dicken Socken und lange Unterhose wieder gefunden, die ich beim letzten Zusammenpacken des Schlafsacks im eisigen argentinischen Uspallata da drinnen vergessen hatte.

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Wie wir am besten unser Essen ueber Nacht vor den hungrigen Tieren verstecken sollten, war uns vor dieser Nacht nicht bewusst, wir kamen ja eben erst vom urbanen Leben in die Natur und brauchten etwas Zeit, um uns auf die hiesige Fauna einzustellen. So waren wir am Morgen froh, dass sich ueber Nacht statt eines Baeren nur ein kleines Nagetier (Maus?) in unser Auto geschlichen und sich da nicht nur ueber unser Obst, unser Brot und unsere Schokolade hergemacht hatte sondern sich sogar mit der am Ruecksitz liegenden Kuechenrolle ein Nest im Kofferraum (!) gebaut hat. Wie auch immer dieses Tier ins Auto rein- und rausgekommen ist.

Egal, jedenfalls fuehrte uns die Fahrt weiter an die Kueste, die komplett vernebelt war. Das sieht vom Berg kommend spektakulaer aus…

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…allerdings ist die Fahrt in den Nebel hinein eher trostlos. Genauso wie die Fahrt ueber die Golden Gate Bridge, ueber die wir etwas spaeter drueber mussten. Warum das? Also wir hatten den Highway 101 fuer den Weg Richtung Norden gewaehlt und dieser fuehrte gerade eben durch San Francisco durch. Und als Beweis dafuer, wie nebelig es hier ist, wenn wir das schoene Wetter nicht mitbringen (weil es fuer die blosse Durchfahrt nicht noetig ist), haben wir folgendes Foto auf der Golden Gate Bridge gemacht.

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Aber wieder landeinwaerts fahrend wurde es schoener und heisser. Uebernachtet haben wir im beruehmenten kalifornischen Wine Country, auf einem einsamen und sehr einfachen Platz (nur ein Plumpsklo gab es) mitten im Wald, am Sheddy Creek, ein kleines Baechlein. Wir waren ganz alleine, was zwar sehr angenehm aber auch ein wenig unheimlich war.

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Von all den wilden Geschichten beeindruckt, Baeren wuerden bei ihrer naechtlichen Suche nach Essen wenn es sein muss auch Autotueren aufbrechen, haben wir unser gesamtes Proviant auf dem Picknicktisch stehen gelassen, weit weg vom Zelt. So sollte sich ein potenzielles Leckermaul ungehemmt bedienen koennen, ohne eine Szene der Verwuestung anzurichten. Aber die Nacht verlief sehr ruhig, unser Essen wurde nicht einmal von Eichkaetzchen oder anderen Nagetieren angefasst. Dafuer konnten wir beim Fruehstueck unseren Augen nicht trauen. Das staendige Brummen neben und ueber uns war kein ueberdimensionales Insekt sondern ein winziger Kolibri! Wieder war der Zoom unserer Kamera zu schwach und deren Ausloeser zu langsam, um ein Foto zu schiessen. Beeindruckend war es allemal!

Der dritte Tag fuehrte uns wagemutig an die Kueste. In der Hoffnung, der Nebel wuerde nicht jeden Tag ueber dem Pazifik herumlungern, haben wir den als sehr idyllisch beschriebenen Matole River Campground ausgewaehlt. Am Weg dahin fuhren wir bereits durch Auslaeufer der beruehmten Redwoods mit ihren uralten, hohen und dicken Baumstaemmen.

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Am Weg dahin haben wir einen verzweifelt aussehenden Autostopper mitgenommen. Der hat sich als junger Deutscher rausgestellt und uns mit wilden Geschichten versorgt, was ihm nicht alles passiert ist und wie er hier gelandet ist. Was wir den wirren Erzaehlungen doch teilweise Verstaendliches entnehmen konnten, wollte er in Nordkalifornien eine illegale Marihuana-Plantage eroeffnen, um eine Baeckerei zu finanzieren, fuer die er extra drei Jahre lang in Deutschland eine Lehre mit Gesellenpruefung abgeschlossen hatte. Schliesslich haben ihn jedoch die ebenfalls illegalen aber alteingesessenen heimischen Marihuana-Plantagen-Besitzer vertrieben und er war ohne Einkommen, Bleibe und vor allem ohne Baeckerei. Und nun musste er zurueck irgendwo in die Huegeln nahe der Kueste, weil er bei seiner wilden Flucht seinen Rucksack und somit sein ganzes Hab und Gut zuruecklassen musste und sich dieses nun abholen wollte. Alles klar? Mancher Leute Naivitaet (oder deren Fantasie?) ist offenbar grenzenlos. Wir haben jedenfalls vereinbart, keine Autostopper mehr mitzunehmen und haben somit unserer eigenen Naivitaet eine deutliche Grenze gesetzt.

Der Uebernachtungsplatz am bereits erwaehnten Matole River war wie erwartet sehr einfach und durchaus nett aber vor allem sehr nebelig, kalt und windig. Dass er direkt hinter Sandduenen mit Meerzugang lag, war daher nur schwacher Trost. Keine zwei Kilometer Luftlinie entfernt war strahlender Sonnenschein aber keine Uebernachtungsmoeglichkeit - zu abgelegen lag der von uns gewaehlte Platz. Also haben wir den Abend in unseren Fleece- und Windjacken verbracht.

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Aber unsere Standhaftigkeit und Geduld hat sich schliesslich ausgezahlt, denn abends ist die Nebeldecke ueber dem Meer aufgerissen. Warm wurde es nicht mehr, aber zumindest noch schoen!

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Dass einer unserer Nachbarn, drei harmlose aber besoffene Mittzwanziger (mein Gott, mir waren alle mal jung!) nach einem naechtlichen Pinkelstreifzug nicht mehr in sein Zelt zurueckfand und bei uns unterkommen wollte, hat uns eher belustigt als gestoert. “You are at the wrong tent, buddy!”, habe ich den jungen Mann bestimmt aber nicht minder amuesiert unseres Territoriums verwiesen. “Sorry, man!“, gehorchte er umgehendst!

Auch in dieser Nacht liessen wir unser Proviant heraussen stehen. Das war diesmal nicht so schlau. Zwar liessen sich keine Baeren blicken (obwohl auf Warntafeln ausdruecklich vor eben diesen gewarnt wurde!), dafuer raubte irgendetwas Kleines (im Mondschein wie ein Eichhoernchen aussehend) ausschliesslich unsere sechs Bananen und liess den Rest unberuehrt. Bis heute haben wir dieses Raetsel nicht geloest.

Das Ziel des naechsten Tages war deutlich formuliert: Wir wollen Sonne!!! Gesagt, getan. Wir fuhren wieder etwas landeinwaerts aber immer der Kueste entlang. Am Weg bekanntes Wildlife:

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Inzwischen wurden auf den offiziellen Anzeigetafeln neunundneunzig Grad Fahrenheit (gute 37 Grad Celcius) angezeigt. Endlich war es wieder so richtig heiss!!! Wir hatten allerdings ein Problem. Es war Samstag und ganz Amerika war auf der Suche nach Campingplaetzen. Wir jedoch waren im Besitz des idealen Campingfuehrers und auch frueh genug am Nachmittag unterwegs. Also konnten wir sogar einen der begehrten Plaetze in der “Smith River Recreation Area” ergattern und zwar am Campground “Panther Flat“ (sogar mit Duschen bitteschoen!). Und hier blieben wir das gesamte Wochenende - und ich sag's euch: Wir haetten zwei Wochen bleiben koennen! Es war heiss, der Platz selbst war schattig…

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…und lag direkt am Smith River: Kuehl, erfrischend, wild und traumhaft schoen gelegen. Wer von euch mal in Nordkalifornien Campingurlaub machen moechte: Hierher kommen und viel Zeit einplanen!!!

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Baeren haben wir auch hier trotz Warnhinweisen keine gesichtet. Aber ueber neue Versteckmoeglichkeiten fuer unser Proviant haben wir gelernt. Baeren brechen naemlich nur dann ins Auto ein, wenn sie Essen oder auch Kuehlboxen (was fuer sie Essen darstellt - ja, die lernen schnell) durch die Scheiben erkennen. Also ab mit dem ganzen Zeug in den Kofferraum, sagt zumindest die offizielle Ranger-Broschuere. Und es schien zu helfen, wir sind mit dieser Methode problemlos durch die folgenden zwei Naechte gekommen!

Aber ganz besonders schoene Zeit geht halt leider auch ganz besonders rasch vorbei. Es half nix, wir mussten weiter. Jedoch gab es gute Nachrichten: Das Wetter sollte so bleiben wie bisher: Heiss, trocken und wolkenlos. Gut so. Also sind wir nach Oregon aufgebrochen, da wo alles noch viel schoener sein soll als in Kalifornien. Und ob das stimmt und ob es wirklich so heiss wurde, dass wir mit unseren Flip-Flops sogar Abkuehlung im Schnee gesucht haben, schildern wir in unserer naechsten verwegenen Geschichte von der amerikanischen Westkueste.

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Posted by NoUturners 10:04 Archived in USA

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Comments

hi il & la!zurück in der natur! sehr gut! falls ich doch mal in nordkalifornien campingurlaub machen mag meld ich mich. schaut gut aus... baci

by sorellina

@ Sorellina: Ja, und melde dich auch gleich wegen Oregon, British Coulumbia, Suedamerika, Australien... ;-)

by NoUturners

mach ich! bitte gleich auf die vormerkliste setzen!!!

by sorellina

wir haben uns beim lesen eures beriochtes und anschauen der fotos wieder an unsere ostküstenreise erinnert. zum beispiel die redwoods mit den alten, hohen baeumen. auch an nebel an der küste können wir uns noch gut erinnern. allerdings haben wir damnals kein baerenproblem gehabt, da wir in motels übernachtet haben. und übrigens... das war die reise, bei der du nicht mit deinen eltern mitfahren wolltest. jetzt kannst du es wenigstens geniessen!
grüsee, ernst + elisabeth

by Ernst + Elisabeth

@ Ernesto und Lisi: Du meinst Westkueste, oder? Und was haette ich davon gehabt, wenn ich mit euch mitgefahern waere? Motelbesuche statt verwegenes Campen mit wilden Eichhoerhnchen. Nein, das hat schon so gepasst. ;-) LG, Christian

by NoUturners

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